... Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. - Aurelius Augustinus -

Sonntag, 6. März 2011

Das Camp und die Freiwilligenarbeit in Goa

Traurig, aber wahr: Meine erste Woche in Goa ist schon wieder rum :-( Und auch wenn es sich hier doch etwas wie Urlaub anfuehlt mit den zahlreichen Palmen in unserem Camp, Nachmittagen am Strand und einer staendig scheinenden Sonne, so leiste ich doch auch hier immer noch Freiwilligenarbeit. Am Vormittag bin ich diesmal in einer sogenannten Fisherman School taetig. Die Fisherman School wurde von IDEX - wie der Name schon vermuten laesst - fuer die Kinder der Fischerleute ins Leben gerufen, die zumeist aus dem benachbarten Bundesstaat Karnataka als Saisonarbeiter nach Goa kommen und ihre Kinder aufgrund des haeufigen Ortswechsels eher nicht in eine staatliche Schule schicken. Die "Schule" befindet sich direkt am Strand in einer kleinen Baracke, ringsherum sind die eher spaerlichen Behausungen der Fischerleute angesiedelt. Der Schulbesuch ist nicht verpflichtend, die Kinder, die kommen wollen und nicht gerade dem Vater beim Fischen helfen muessen, kommen einfach und so kann es schon mal sein, dass man an einem Tag nur mit sieben und am naechsten Tag mit 20 Kindern dasitzt. Auch das Alter der Kinder variiert stark (von 2 bis 10 Jahren haben wir alles dabei), so dass ein wirkliches Unterrichten manchmal gar nicht moeglich ist, sondern das ganze eher an eine Tagesbetreuung erinnert. Jeden Tag versorgen wir die Kinder am Ende des Unterrichts mit einer Mittagsmahlzeit, danach wird gemeinsam Zaehne geputzt. Die Arbeit macht mir mal wieder sehr viel Spass und ich habe in dem 2-jaehrigen Pavan mit seinen langen Wimpern auch schon ein neues "Lieblingskind" gefunden, aber ich merke doch, dass ich mich nicht mehr so auf die ganze Sache einlassen kann wie noch in Lalsot - zum einen, um mir den Abschiedsschmerz zu ersparen und zum anderen wegen meiner schon mal angedeuteten Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Aber dazu spaeter vielleicht nochmal mehr ...
Am Nachmittag gebe ich PC-Unterricht fuer Erwachsene. Davon bin ich wirklich total begeistert! In taeglich 2 Kursstunden erklaere ich den Damen und Herren den Umgang mit Tastatur und Maus, zeige ihnen, wie man Tabellen und andere nuetzliche Sachen am PC erstellen kann. Sie alle freuen sich immer total ueber meine Geduld und sind einfach nur voll suess! Nach getaner Arbeit verbringe ich meine Freizeit meist am Strand, der mit dem Fahrrad nur 10 Minuten entfernt ist, oder in schlendere durch die Geschaefte des nahgelegenen Colva, in denen sich es leider schlecht handeln laesst, da die vielen Touristen, die hierher kommen eh alles fuer den angegebenen Preis kaufen.
In unserem Camp in Majorda werden wir sehr gut mit Essen verkoestigt, das stets sehr lecker und erfreulicherweise abwechslungsreicher ist als in Lalsot (also kann ich das Abnehmen dann doch wieder vergessen ...). Wir leben hier jeweils zu viert in Bungalow-artigen Haeuschen, die rings um eine Liegewiese mit Kokospalmen angeordnet sind - echt idyllisch. Anders als in Lalsot haben wir richtige duschen - zwar nur mit kaltem Wasser, aber warm wuerde man bei der Hitze hier eh nicht duschen. Auch hier muessen wir nicht auf "Haustiere" verzichten - wir hatten jetzt schon zweimal einen Frosch direkt in der Kloschuessel sitzen. Zuletzt gestern abend um 23 Uhr, niemand von meinen Mitbewohnern war da und ich musste so dringend ... Gluecklicherweise hat mir dann einer von den Angestellten hier ganz souveraen geholfen, das Tierchen wieder in die Natur zu befoerdern, waehrend ich schon einen Schreikrampf bekommen habe als der kleine Frosch auch nur einen kleinen Satz in meine Richtung gemacht hat - was ein Spass ...
Bei meiner Ankunft in Majorda waren ueber 30 Freiwillige im Camp, von denen im Laufe der letzten Woche aber ein Grossteil abgereist ist. Das ganze Camp wirkt bei weitem nicht so familiaer wie das in Lalsot. Dort war der Zusammenhalt sowohl unter den Freiwilligen als auch mit den IDEX-Mitarbeitern um einiges groesser - einfach aus dem Grund, das man die ganze Zeit zusammen verbracht hat, da man viel weniger die Moeglichkeit hatte, etwas ausserhalb des Camps zu unternehmen. Hier ist der Starnd in greifbarer Naehe, abends lockt das Nachtleben in den Strandbars. Und genau da beginnen die Probleme ... Viele Freiwillige finden die sich bietenden Freizeitaktivitaeten attraktiver als die eigentliche Arbeit und ich frage mich, warum sie sich dann eigentlich fuer dieses Programm entschieden haben (ein normaler Strandurlaub in Goa wuerde sie naemlich einige Euro weniger kosten). So werden die Vorbereitungen der Unterrichtsstunden auf ein Minimun reduziert, kaum einer uebernimmt Aufgaben am Nachmittag. Auf der anderen Seite haben jedoch weder die Executives, die auch hier die Freiwilligen begleiten und gegebenenfalls Uebersetzungsarbeit leisten, noch die Campmanagerin das Durchsetzungsvermoegen, eine ordentliche Leistung von den Freiwilligen einzufordern. Gerade die Freiwilligen, die gute Arbeit leisten wollen, fuehlen sich vor allem dadurch demotiviert, das niemand von den IDEX-Mitarbeitern Interesse fuer die eigene Arbeit zeigt. Wenn man hier als Freiwilliger nicht selber Dinge hinterfragt oder sich notwendige Informationen beschafft, erhaelt man sie auch nicht. Und da scheint es dann doch fuer viele einfacher, sich einfach an den Strand zu legen ... Ein Teufelskreislauf. Wie schon in Lalsot finde ich diese "Erkenntnisse" keinesfalls demotivierend, sondern durchaus interessant und spannend. Ich fuer mich selber finde sicherlich einen Weg, meine Arbeit hier sinnvoll zu gestalten, nur inwieweit das natuerlich auf lange Sicht sinnvoll ist, steht auch hier wieder in den Sternen ...

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