... Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. - Aurelius Augustinus -
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Sonntag, 6. März 2011

Das Camp und die Freiwilligenarbeit in Goa

Traurig, aber wahr: Meine erste Woche in Goa ist schon wieder rum :-( Und auch wenn es sich hier doch etwas wie Urlaub anfuehlt mit den zahlreichen Palmen in unserem Camp, Nachmittagen am Strand und einer staendig scheinenden Sonne, so leiste ich doch auch hier immer noch Freiwilligenarbeit. Am Vormittag bin ich diesmal in einer sogenannten Fisherman School taetig. Die Fisherman School wurde von IDEX - wie der Name schon vermuten laesst - fuer die Kinder der Fischerleute ins Leben gerufen, die zumeist aus dem benachbarten Bundesstaat Karnataka als Saisonarbeiter nach Goa kommen und ihre Kinder aufgrund des haeufigen Ortswechsels eher nicht in eine staatliche Schule schicken. Die "Schule" befindet sich direkt am Strand in einer kleinen Baracke, ringsherum sind die eher spaerlichen Behausungen der Fischerleute angesiedelt. Der Schulbesuch ist nicht verpflichtend, die Kinder, die kommen wollen und nicht gerade dem Vater beim Fischen helfen muessen, kommen einfach und so kann es schon mal sein, dass man an einem Tag nur mit sieben und am naechsten Tag mit 20 Kindern dasitzt. Auch das Alter der Kinder variiert stark (von 2 bis 10 Jahren haben wir alles dabei), so dass ein wirkliches Unterrichten manchmal gar nicht moeglich ist, sondern das ganze eher an eine Tagesbetreuung erinnert. Jeden Tag versorgen wir die Kinder am Ende des Unterrichts mit einer Mittagsmahlzeit, danach wird gemeinsam Zaehne geputzt. Die Arbeit macht mir mal wieder sehr viel Spass und ich habe in dem 2-jaehrigen Pavan mit seinen langen Wimpern auch schon ein neues "Lieblingskind" gefunden, aber ich merke doch, dass ich mich nicht mehr so auf die ganze Sache einlassen kann wie noch in Lalsot - zum einen, um mir den Abschiedsschmerz zu ersparen und zum anderen wegen meiner schon mal angedeuteten Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Aber dazu spaeter vielleicht nochmal mehr ...
Am Nachmittag gebe ich PC-Unterricht fuer Erwachsene. Davon bin ich wirklich total begeistert! In taeglich 2 Kursstunden erklaere ich den Damen und Herren den Umgang mit Tastatur und Maus, zeige ihnen, wie man Tabellen und andere nuetzliche Sachen am PC erstellen kann. Sie alle freuen sich immer total ueber meine Geduld und sind einfach nur voll suess! Nach getaner Arbeit verbringe ich meine Freizeit meist am Strand, der mit dem Fahrrad nur 10 Minuten entfernt ist, oder in schlendere durch die Geschaefte des nahgelegenen Colva, in denen sich es leider schlecht handeln laesst, da die vielen Touristen, die hierher kommen eh alles fuer den angegebenen Preis kaufen.
In unserem Camp in Majorda werden wir sehr gut mit Essen verkoestigt, das stets sehr lecker und erfreulicherweise abwechslungsreicher ist als in Lalsot (also kann ich das Abnehmen dann doch wieder vergessen ...). Wir leben hier jeweils zu viert in Bungalow-artigen Haeuschen, die rings um eine Liegewiese mit Kokospalmen angeordnet sind - echt idyllisch. Anders als in Lalsot haben wir richtige duschen - zwar nur mit kaltem Wasser, aber warm wuerde man bei der Hitze hier eh nicht duschen. Auch hier muessen wir nicht auf "Haustiere" verzichten - wir hatten jetzt schon zweimal einen Frosch direkt in der Kloschuessel sitzen. Zuletzt gestern abend um 23 Uhr, niemand von meinen Mitbewohnern war da und ich musste so dringend ... Gluecklicherweise hat mir dann einer von den Angestellten hier ganz souveraen geholfen, das Tierchen wieder in die Natur zu befoerdern, waehrend ich schon einen Schreikrampf bekommen habe als der kleine Frosch auch nur einen kleinen Satz in meine Richtung gemacht hat - was ein Spass ...
Bei meiner Ankunft in Majorda waren ueber 30 Freiwillige im Camp, von denen im Laufe der letzten Woche aber ein Grossteil abgereist ist. Das ganze Camp wirkt bei weitem nicht so familiaer wie das in Lalsot. Dort war der Zusammenhalt sowohl unter den Freiwilligen als auch mit den IDEX-Mitarbeitern um einiges groesser - einfach aus dem Grund, das man die ganze Zeit zusammen verbracht hat, da man viel weniger die Moeglichkeit hatte, etwas ausserhalb des Camps zu unternehmen. Hier ist der Starnd in greifbarer Naehe, abends lockt das Nachtleben in den Strandbars. Und genau da beginnen die Probleme ... Viele Freiwillige finden die sich bietenden Freizeitaktivitaeten attraktiver als die eigentliche Arbeit und ich frage mich, warum sie sich dann eigentlich fuer dieses Programm entschieden haben (ein normaler Strandurlaub in Goa wuerde sie naemlich einige Euro weniger kosten). So werden die Vorbereitungen der Unterrichtsstunden auf ein Minimun reduziert, kaum einer uebernimmt Aufgaben am Nachmittag. Auf der anderen Seite haben jedoch weder die Executives, die auch hier die Freiwilligen begleiten und gegebenenfalls Uebersetzungsarbeit leisten, noch die Campmanagerin das Durchsetzungsvermoegen, eine ordentliche Leistung von den Freiwilligen einzufordern. Gerade die Freiwilligen, die gute Arbeit leisten wollen, fuehlen sich vor allem dadurch demotiviert, das niemand von den IDEX-Mitarbeitern Interesse fuer die eigene Arbeit zeigt. Wenn man hier als Freiwilliger nicht selber Dinge hinterfragt oder sich notwendige Informationen beschafft, erhaelt man sie auch nicht. Und da scheint es dann doch fuer viele einfacher, sich einfach an den Strand zu legen ... Ein Teufelskreislauf. Wie schon in Lalsot finde ich diese "Erkenntnisse" keinesfalls demotivierend, sondern durchaus interessant und spannend. Ich fuer mich selber finde sicherlich einen Weg, meine Arbeit hier sinnvoll zu gestalten, nur inwieweit das natuerlich auf lange Sicht sinnvoll ist, steht auch hier wieder in den Sternen ...

Dienstag, 1. März 2011

"Rajasthan Good-Bye" - Ein Rueckblick

Kaum zu glauben, aber ich bin schon seit 5 Wochen hier in Indien!!! Was heisst, dass der erste Teil meiner Indienreise, naemlich die Freiwilligenarbeit in Lalsot, endet und wir das Kapitel "Indien Teil 2: Freiwilligenarbeit in Goa" aufschlagen. Ich war selbst ein wenig ueberrascht, dass dieser Ortswechsel jetzt schon ansteht, kommt es mir doch so vor, als waere ich erst gestern hier gelandet, obwohl es sich auf der anderen Seite so anfuehlt als haette ich Deutschland bereits vor Lichtjahren verlassen - sehr ulkig ...

Ich habe grad so gemerkt, dass die bisherigen Schilderungen vom ersten Teil meines Indienerlebnisses alle so'n bissle unstrukturiert sind (was sicher der schlechten Internetsituation geschuldet ist), so dass ich nun an dieser Stelle mal versuchen will, meine bisherigen Erfahrungen hier fuer Euch so'n bissle zu sortieren.

Ueber IDEX und die Freiwilligenarbeit
Wie ich schon angedeutet habe, heisst die Organisation fuer die ich momentan hier "arbeite" Idex, was ausgeschrieben Indian Evelopment Exchange, zu deutsch Indischer Entwicklungsaustausch, heisst. IDEX, als GmbH gefuehrt, hat seinen Hauptsitz in Jaipur und unterhaelt verschiedene Projektstandorte - ein Camp in Himachal Pradesh (ist im Himalaya), das Camp in Lalsot im noerdlichen Bundesstaat Rajasthan, ein Camp in Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, und das Camp in Margao im Bundesstaat Goa. Ein weiteres Camp in der Naehe der pakistanischen Grenze ist derzeit geschlossen - nach dem Hochwasser in Pakistan, das auch diesen Teil Indiens betroffen hat, muss das Camp erst wieder in Stand gesetzt werden. Seine Freiwilligen "bezieht" IDEX ueber sogenannte "Sending Organisations" aus den verschiedenen europaeischen Laendern. Alle Freiwilligen zahlen eine nicht unerhebliche Summe Geld (ich weiss leider nicht, wie diese Summe unter der Sending Organisation und IDEX aufgeteilt wird) und bekommen dafuer hier Unterkunft und Verpflegung, die Sicherheit, dass bei allen fuer die Freiwilligenarbeit notwendigerweise zurueckzulegenden Fahrtstrecken ein IDEX-Mitarbeiter als Begleitung dabei ist und natuerlich die einmalige Chance, in Indien Entwicklungsarbeit leisten zu duerfen. Ueber meine bisherige Arbeit in Lalsot habe ich ja schon recht ausfuehrlich berichtet. Nachdem ich nun knapp 4 Wochen Erfahrungen als "Lehrerin" in einer staatlichen Schule sammeln konnte und die Arbeit sehr genossen habe und unter keinen Umstaenden missen moechte, muss ich dennoch sagen, dass ich nicht wirklich davon ueberzeugt bin, dass die Arbeit, die wir hier leisten, auf lange Sicht wirklich den Leuten hier vor Ort hilft. Vielmehr muss ich hoffen, dass sie nicht wirklich schadet ... Das klingt jetzt sicher demotiviert, so empfinde ich es jedoch nicht - ich mach mir halt nur meine Gedanken ... Kurzer Erklaerungsversuch: Die Situation an den staatlichen Schulen hier in Rajasthan ist recht unbefriedigend - zum einen werden die Kinder nicht regelmaessig zur Schule geschickt, da die Eltern selbst ungebildet sind und die Notwendigkeit des Schulbesuches nicht einsehen, oder die Kinder eben im Haushalt "benoetigt" werden. Zum anderen sind fuer die in der Schule anwesenden Kinder aber gar nicht genug bzw. unmotivierte, ueberforderte Lehrer vorhanden, die auch gerne mal die Hand gegen die Schueler erheben. An einer Schule war an einem Nachmittag fuer 4 Klassen nur ein Lehrer anwesend, der dann immer zwischen den Klassen hin und her gesprungen ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, resultiert der Lehrermangel - wie soll es auch anders sein - aus finanziellen Engpaessen der Staatlichen Schulen, die fuer die Bevoelkerung kostenlos sind. Freiwillige werden nun als das Mittel der Wahl angepriesen, mit der Begruendung, dass sie eben ein anderes Schulsystem kennen, das auch ohne Schlagen ausgekommen ist, und den Unterricht anschaulicher gestalten als die indischen Lehrer. Dass ein Freiwilliger aber immer nur 4, 8 oder maximal 12 Wochen da ist und danach ein anderer kommt, der mit den Kiddies genauso wieder bei null anfaengt und vielleicht auch eine ganz andere Lehrmethode benutzt, ist die Kehrseite. Ich hab in den nicht mal 4 Wochen gerade mal einen Einblick erhalten, was meine Schueler so koennen und mit welchen Lehrmethoden (so man das so nennen kann) man am weitesten bei ihnen kommt und gerade wenn ich mit der eigentlichen erfolgbringenden Arbeit anfangen koennte, ist meine Zeit um und ich lasse die Kinder zurueck. Zum Glueck sind sie jetzt nicht ganz allein (einen festen Lehrer gibt es naemlich fuer diese Klasse nicht), da wir zu zweit in der Klasse gearbeitet haben und meine Mitstreiterin noch weitere 4 Wochen bleibt. Sie wird dann hoffentlich neue Freiwillige einarbeiten, so ein nahtloser Uebergang ist aber selten gewaehrleistet, so dass man sich auf niedergeschriebene Aktivitaetsreporte ehemaliger Freiwilliger beschraenken muss. Ingsgesamt hab ich mich schon oefter gefragt, ob das viele Geld, das wir hier fuer unsere Teilnahme bezahlen (und von dem sicher ein ganzer Teil irgendwo in irgendwelchen Verwaltungsapparaten haengenbleibt), nicht besser in die Ausbildung oder Bezahlung indischer Lehrkraefte investiert werden sollte - damit waere dem System im Sinne der "Hilfe zur Selbsthilfe" wahrscheinlich mehr gedient. Ich hab schon gesagt, dass ich das Ganze definitiv nicht so demotivierend oder pessimistisch finde, wie es jetzt vielleicht klingen mag. Fuer all die Freiwilligen, die hier arbeiten, bietet das Projekt natuerlich die einmalige Chance, ein unbekanntes Land relativ organisiert zu entdecken und nebenher noch das Gefuehl zu erhalten, etwas sinnvolles zu tun.

Ueber Rajasthan und das Leben im Camp
Wie ich schon geschrieben habe, lebten wir waehrend unserer Arbeit in Lalsot in einem sehr einfachen Camp mit Lehmhuetten, Wassereimern statt Duschen, tagtaeglichen Stromausfaellen, Ratten (die ich leider nie gesehen habe) und anderen Widrigkeiten, die euch zu Hause wahrscheinlich die Haende ueber dem Kopf zusammenschlagen lassen. Mein erster Eindruck, als wir zum ersten Mal nachts auf der Buckelpiste das Camp erreichten, war auch wirklich "Was und hier soll ich 4 Wochen ueberleben? Das geht ja gar nicht!" Doch dann hat es sich wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis entwickelt, dank sehr netter Mitteilnehmer, dem obligatorischen Volleyballspielen am Nachmittag, Spass an der Arbeit mit den kleinen Rackern in der Schule und so vielen Kleinigkeiten mehr. Wir sind als Gruppe schon sehr zusammengewachsen, da man unter der Woche auch nur sehr wenig ausserhalb des Camps unternehmen konnte, so dass mir der Abschied von meinem Camp am vergangenen Donnerstag schon echt schwer fiel - doch dazu spaeter mehr.
Im Allgemeinen leben die Menschen in dem Bundesstaat Rajasthan sehr aermlich und einfach. Den Lebensunterhalt verdienen die meisten durch Landwirtschaft. Es gibt einen hohen Anteil von Analphabeten, die weder des Hindi-Schreibens geschweige denn des Englischen maechtig sind. Viele von den Menschen hier kommen ihr Leben lang nicht raus aus ihrem Dorf, vielleicht besuchen sie mal den Nachbarort. Da ist es natuerlich nicht verwunderlich, dass die Ankunft von weissen Europaern fuer viele hier das Highlight ihres Lebens ist. Dementsprechend hat dann auch so ziemlich jeder Dorfbewohner versucht, mit uns in Kontakt zu treten: Vom verstohlen Einfach-Nur-Anstarren-und-auf-eine-Reaktion-von-uns-Warten, ueber ein freundliches "Namaste" oder "What ist your name?" (das ist wahrscheinlich der am meisten gesprochene englische Satz hier im Norden) bis hin zum man kann schon sagen Grabschen nach Armbaendern und sonstigen wertvoll aussehenden Sachen. Ich weiss noch, wie wir an einem Sonntag eine kleine Radtour in den Nebenort unternommen haben, nach kurzer Zeit aber entnervt umgekehrt sind, da uns etliche Kinder schreiend hinterher gerannt sind und auch Versuche unternommen haben, auf unserem Gepaecktraeger eine Mitfahrgelegenehit zuerhaschen. Was sicher alles sehr freundlich gemeint ist, kann einen als Besucher manchmal schon richtig nerven, Man hat das Gefuehl, die Inder (ich weiss natuerlich, dass man das nicht verallgemeinern kann) kennen nicht wirklich eine Privatsphaere: Egal wo man steht, immer bildet sich gleich eine Menschentraube um einen, moeglichst dicht gedraengt, damit sie auch hoeren, was der Europaeer zu sagen hat (selbst wenn man es nicht bersteht). Besonders unangenehm ist das beim Geldautomaten - Diskretionsabstand kennt man hier nicht (allerdings nicht nur uns, sondern auch den eigenen Landsleuten gegenueber). Auch wenn ich von bestimmten kulturellen Verhaltensweisen des oefteren mal genervt war, so muss ich doch sagen, dass ich Rajasthan sehr in mein Herz geschlossen habe. Es laesst sich gar nicht so genau sagen, was mich so an diesem Landstrich fasziniert hat,  aber dieses "Ich liebe es"-Gefuehl war einfach da und viel zu schnell verging die Zeit, die ich hier verleben durfte ...

Unser Leben neben der Arbeit - Ausfluege am Wochenende
Wir muessen hier natuerlich nicht nur "schuften", sondern unternehmen auch eine ganze Menge, um das Land etwas naeher kennenzulernen. An dieser Stelle werde ich nochmal etwas ausfuehrlicher ueber die Ausfluege der ersten 5 Wochen berichten - wenn ich die Zeit dazu finde ... Also immer mal wieder in den Bericht reinschauen!

Bereits in unserer ersten Woche standen ja einige Exkursionen auf dem Programm. So unternahmen wir eine Tigersafari im Ranthambore Nationalpark und hatten das wohl sehr seltene Glueck, auch wirklich einen Tiger zu sehen. Der lag zwar nur faul im Gebuesch rum, aber das war mir tausendmal lieber als wenn er zu nah an unseren Oben-Ohne-Bus gekommen und vielleicht noch zum Sprung angesetzt haette ;-) Interessant fand ich es, wie hier mit sogenanten Nationalparks umgegangen wird: Da liegen Zigarettenstummel herum, die Safaribusse fahren bei Gegenverkehr rigeros ueber Buesche und Straeuche hinweg, da die Fahrbahn zu schmal fuer zwei Fahrzeuge ist. Ist halt Indien ...
Waehrend unserer Orientierungstage in Jaipur hatten wir beim Besuch des Old Markets die Chance das Feilschen zu erlernen. Ein Beispiel dazu: Ich wollte mir zwei Oberteile kaufen. Eins sollte 850 Rupien kosten, ich meinte ich zahl 500 fuer beide zusammen. Der Verkaeufer macht ein betroffenes Gesicht, meint theatralisch "Willst du mich ruinieren?", ich sage "Dann eben nicht" und verlasse das Geschaeft, er ruft mich zurueck, hin und her und ich bekomme beide Teile fuer 600 Rupien, was nicht mal 10 Euro sind. Und damit hat er wahrscheinlich immer noch ein gutes Geschaeft gemacht... Wirklich absolut lustig! Des weiteren haben wir uns in Jaipur im Kino einen Bollywood-Film angeschaut. Klingt ja erst mal nicht so spektakulaer, aber schon die Eingangshalle des Kinos war ein echter Hingucker mit Stuck und allem moeglichen Schnickschnack. Des weiteren war es dann total interessant und lustig zu sehen, wie sich das indische Kinopuplikum so verhaelt: Die rasten einfach total aus, wenn es im Film nur den kleinsten Hauch von Zaertlichkeiten zwischen den Geschlechtern gibt. Da wird geklatscht, gepfiffen, gejohlt, was wohl eindeutig als Zeichen der Verklemmtheit der Inder zu sehen ist. Anders als uns der schnulzige Bollywood-Film naemlich vorgaukelt, finden im "normalen" Leben Haendchenhalten und Kuessen nicht in der Oeffentlichkeit statt - das Thema Sexualitaet wird voellig tabuisiert. Tabu war auch mal der Elefantenritt zum Amber Fort in Jaipur. Zu unserem Glueck (wenn auch zum Unglueck der Elefanten), kann man sich nun aber wieder von einem Dickhaeuter hinauf zu dem Fort bringen lassen, das aussieht als waere es dem Maerchen "Tausendundeiner Nacht" entsprungen. Ist schon eine ganz schoen wackelige Angelegenheit, wenn man zu zweit in einer Art Korb auf so 'nem grossen Tier hockt, aber nach anfaenglicher Nervositaet habe ich es genossen - und der Elefant ist auch unbeschadet aus der ganzen Angelegenheit rausgekommen ;-) Waehrend unserer Orientierungstage haben wir uebrigens bei einer indischen Gastfamilie gewohnt, die uns sehr nett aufgenommen und mit koestlichem Essen versorgt haben.
Im Anschluss an die Orientierungswoche in Jaipur besichtigten wir die Touristenattraktion Indiens - das Taj Mahal. Wirklich imposant, gerade wenn man bedenkt, dass es allein als Grabmal fuer eine einzige Frau errichtet wurde ... Wir besichtigten das Monument in den fruehen Morgenstunden, so dass wir auch halbwegs vom grossen Touristenansturm verschont blieben.
Sicherlich ein Highlight der Zeit in Rajasthan war der Besuch der Stadt Pushkar inklusive Kamelsafari. Pushkar, das mit einem seltenen Brahma-Tempel und seinem Heiligen See eine der beliebtesten Pilgerstaetten Indiens ist, war mir persoenlich zwar zu touristisch, aber die Kamelsafari war echt der Hammer - auch wenn ich am Anfang dachte, dass ich keine 10 Minuten auf dem Kamel ueberleben werde ...

Sonntag, 13. Februar 2011

Lange nichts von mir hoeren lasen ...

... aber ich lebe noch! Die mangelnden Lebenszeichen sind einfach nur dem nicht funktionierenden Internet in unserem Camp geschuldet, das mit dem Hochladen des Blogs einfach ueberfordert ist. Derzeit bin ich gerade in Jaipur (goenne mir hier mit ein paar Maedels aus meiner Gruppe ein Shopping-Wochenende) und da hab ich mich natuerlich auch gleich aufs Internet gestuerzt, um euch alle mal wieder an meinem derzeitigen Leben teilhaben lassen zu koennen.

Seit etwa zwei Wochen befinde ich mich nun also im IDEX-Camp in der Naehe von Lalsot. Das Camp besteht aus Lehmhuetten, in denen wir unter Moskitonetzen schlafen - nicht nur als Schutz vor den nicht allzu vielen Moskitos, sondern auch zur Abwehr anderer naechtlicher Besucher, denn es soll hier Ratten geben, die ich aber zum Glueck noch nicht gesehen habe. Einen kleinen Gecko haben wir jedenfalls als "Mitbewohner". Rund um das Camp ist hauptsaechlich nichts ausser ein paar Huetten der Snake Charmers - das ist die Kaste der Schlangenbeschwoerer, die als Art Sinti und Roma durchs Land ziehen.

Wir sind 17 Freiwillige, die hier im Camp leben - eine bunt gemischte Truppe aus Deutschen, Schweitzern und Skandinaviern - alle recht nett, auch wenn mitunter schon erste kleine Zickenkriege einsetzen, aber die sind eher amuesant.

Unser woechentlicher Alltag sieht wie folgt aus: Wer moechte kann 7.30 Uhr am Morgen am Yoga teilnehmen - ich moechte zwar, komme aber meistens nicht aus dem Bett ;-) Um 8.30 bis 9:30 gibt es Fruehstueck - meist Reisbrei oder Toast mit Banane - eigentlich ganz gut, aber ich wuerde mich wirklich mal wieder nach einem schoenen Salamibroetchen sehnen... Danach bereiten wir uns zusammen mit unserem Executive (das ist ein einheimische IDEX-Mitarbeiter, die uns bei unserer Lehrtaetigkeit unterstuetzt, indem er zwischen Englisch und Hindi dolmetscht) auf unsere Freiwilligenarbeit vor. Meine Arbeit am Morgen besteht darin, zusammen mit einem anderen Maedel eine erste Klasse in Englisch und Mathe zu unterrichten. Anfangs hatten wir so um die 17 Schueler, da der Schulbesuch hier aber nicht regelmaessig stattfindet wie in Deutschland und die Anwesenheit von Freiwilligen als Lehrer als wahres Lockmittel wirkt, sind wir mittlerweile bei etwa 30 kleinen Rackern angekommen! Wie man die nun in Englisch unterrichtet, ohne deren Muttersprache zu beherrschen, ist mir bislang auch noch ein Raetsel ;-) Zumal es den Kindern auch an jedweder Disziplin und Konzentrationsfaehigkeit mangelt. Vom Elternhaus ist in dieser Hinsicht nicht so viel Unterstuetzung zu erwarten: Die Eltern sind so ziemlich alle ungebildet, sprich koennen weder lesen noch schreiben, und kuemmern sich zu Hause auch nicht wirklich kindgerecht um den Nachwuchs. Kinder sind halt einfach da - toben auf dem Hof rum oder werden zur Hausarbeit herangezogen. Disziplin, wie wir sie in der Schule brauchen koennten, bekommen sie jedenfalls nicht vermittelt. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Altersspanne der Erstklaessler von 4-7 Jahren erstreckt, teilweise kleine Geschwisterkinder mit in die Schule genommen werden muessen, damit diese nicht allein zu Hause bleiben muessen, die Klassenraeume ueber keinerlei Tische oder Baenke verfuegen und die Kinder somit auf dem Boden sitzen oder dann doch eben rumtollen und und und...Es gibt durchaus Momente, wo ich nicht mehr weiss, wo mir der Kopf steht, aber insgesamt macht die Arbeit eine Menge Spass, da die Kleinen echt suess sind und man so wirklich Land und Leute kennenlernt. Man darf nur nicht mit europaeischen Anspruechen an die Arbeit rangehen, da hier einfach alles ein bisschen anders laeuft. Da unsere Klasse gar keinen Lehrer haette, wenn wir nicht da waeren, ist es schon als enormer Fortschritt anzusehen, wenn wir den Kindern das Alphabet beibringen (in Hindi haben sie ja andere Buchstaben und selbst diese koennen sie in der ersten Klasse verstaendlicherweise noch nicht schreiben) und mit ihnen das Schreiben der einzelnen Buchstaben ueben. Nach zwei Stunden Morgenunterricht werden wir im Camp mit Mittagessen versorgt, das hier vorrangig nur aus Saettigungsbeilagen wie Ciabatti, Reis und Kartoffeln besteht - wie wuerde ich mich doch nach einem leckeren Salat sehnen... Um 14.00 Uhr wird dann imer ein interessanter Kurs angeboten - wie zum Beispiel Hindiunterrricht oder ein indischer Kochkurs. Man kann in dieser Zeit aber auch einfach die Sonne geniessen, die hier wirklich unaufhoerlich scheint! Um 15.00 Uhr geht es dann fuer eineinhalb Stunden nochmals zum Unterrichten in eine andere Schule. Da haben wir dann eine 5.-7. Klasse, denen wir Englische Konversation udn die richtige Aussprache beibringen sollen. Das Ulkige an dieser Klassenstufe ist, dass die Schueler endlos lange Texte in Englisch lesen und abschreiben koennen - nur deren Bedeutung wissen sie nicht ... Insgesamt ist natuerlich schon fraglich, inwieweit wir als Freiwillige, die meist keine paedagogischen, geschweige denn irgendwelche didaktischen Faehigkeiten haben, da die richtigen Lehrpersonen sind ... Angesichts des indischen Schulsystems, in dem manchmal nur ein Lehrer fuer 4 Klassen gleichzeitig zustaendig ist, der Schulbesuch stark durch die Traditionen gepraegt ist (z.B. dass Maedchen fuer die Hausarbeit zustaendig sind und Bildung deshalb nicht so wichtig ist) und die bevorzugte Lehrmethoden der Schlagstock ist, stellen Freiwillige wahrscheinlich schon eine moegliche Alternative dar. Aber das alles genauer auszufuehren, wuerde jetzt zu lange dauern. Um 17 Uhr gibt es dann leckeren Chai (eine Art in Milch gekochter Gewuerztee) im Camp, danach haben wir Zeit zum Volleyballspielen, Tagebuch schreiben, Waesche waschen und so weiter. 19 Uhr gibts Abendessen, das sich nicht wesentlich vom Mittag unterscheidet, danach sitzt man noch ein wenig zusammen und gegen 22 Uhr ist man dann auch todmuede.So sieht er also aus, unser normaler Wochentag.

Die Wochenenden stehen zur freien Verfuegung. Letztes Wochenende stand eine Kamelsafari in Pushkar auf dem Programm. Obwohl ich am Anfang nicht wirklich ueberzeugt war von dem zweistuendigen Wuestenritt auf so einem wackeligen und vor allem grossen Tierchen, hab ich es doch ueberlebt und letztendlich auch sehr genossen - und das Kamel lebt auch noch ;-) Dieses Wochenende haben wir, wie schon gesagt, nochmals Jaipur erkundet: Ein wirklich sehr gelungenes Wochenende mit Shopping, Sightseeing und vielem mehr. So waren wir zu Gast auf einer indischen Hochzeit und hatten von 1 Uhr bis 4 Uhr in der Nacht einen ganzen Nachtclub mit sehr genialer Musik fuer uns allein!

So die Computerzeit ist leider schon wieder vorbei. Verzeiht, dass ich mich immer relativ kurz halten muss, aber es passiert einfach viel zu viel fuer ausfuehrliche Berichte und ich denke, Ihr habt jetzt einen ganz guten Einblick in mein derzeitiges Leben erhalten ...

Ich gruesse Euch alle ganz lieb
aus dem sonnigen Indien - mittlerweile sind es sicher 27 Grad bei stets strahlendem Sonnenschein :-)