... Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. - Aurelius Augustinus -

Donnerstag, 31. März 2011

Elefant, Tiger und Co.

... So hiess das Motto der vergangenen zwei Tage. Am vergangenen Dienstag ging es fuer mich abermals mit dem Bus von Kottayam nach Kumily weiter. Die Fahrt durch die Kardamonberge, entlang kleiner Doerfer udn Teeplantagen war wirklich atemberaubend - und das nicht nur wegen der schoenen Landschaft. Unser Busfahrer trainierte wohl naemlich gerade fuer die Formel 1 und so richtig vertrauenserweckend war der Bus mit seinen quietschenden Bremsen auch nicht ... Naja, nach dreieinhalb Stunden Fahrt erreichten ich und mein vom krampfhaften Festklammern schmerzender linker Arm das kleine Staedtchen an der Grenze zwischen den Bundessstaaten Kerala und Tamil Nadu. Nachdem ich eine wirklich schnuckelige Unterkunft direkt mit Blick in den Periyar Nationalpark bezogen hatte, unternahm ich vorgestern eine Bootsfahrt auf dem Periyar Lake, bei der wir am Ufer Bisons, Hirsche und Wildschweine beobachten konnten. Ein wenig enttaeuscht, keinen der versprochenen elefanten gesehen zu haben, verliess ich das Boot nach 2 Stunden Fahrt und siehe da - direkt am Bootsanleger machte eine Elefantenkuh mit ihrem Baby einen Abendspaziergang! Gestern ging es dann mit 4 anderen netten Leutchen auf zum Bamboo-Rafting. Das Bamboo-Rafting war zwar eher ein gemaechliches Dahinschippern auf einem nicht allzu stabil wirkenden Bambus-Floss, aber ansonsten bekamen wir ein echtes Safari-Feeling! Zwischen den Strecken per Boot hatten wir naemlich die Gelegenheit, mit bewaffneten Rangern durch den Nationalpark zu laufen. Von den hier lebenden 39 Tigern hat sich zwar keiner blicken lassen, aber wir konnten Bisons aus naechster Naehe beobachten, eine Elefantenfamilie lief vor uns davon (nachdem wir vor ihnen weggerannt sind...) und fast am Ende der Tour sahen wir 10 Elefanten beim Abendessen zu - wirklich toll!

Zu den ganzen Erlebnissen der letzten zwei Wochen koennt Ihr Euch ab heute auch wieder einige Fotos anschauen. Das soll Euch die naechsten zwei Wochen verkuerzen, in denen Ihr nichts von mir hoeren werdet. Ich nehme jetzt naemlich gleich den Bus nach Madurai, wo ich ab morgen meine "Yoga Vacation" beginnen werde. Weiss zwar noch nicht, ob ich 5.20 Uhr aufstehen und den ganzen Tag Meditieren, Singen und Yoga wirklich entspannend finde, aber das kann ich Euch ja dann danach berichten.

In diesem Sinne bis zum naechsten Mal ein spirituelles "Om Shanti" von mir!

Keralas Backwaters ...

... habe ich in den letzten Tagen ausfuehrlich mit dem Boot erkundet und ich bin nicht abgesoffen. Danke Beate P., dass sich wenigstens eine Sorgen um mein Wohlergehen macht ;-) Die Kurzzusammenfassung: Letzten Donnerstag bin ich mit dem Bus zunaechst nach Aleppey gefahren. Wirklich erstaunlich, dass man hier fuer 60 Kilometer Fahrt nur 50 Rupien bezahlt, was umgerechnet nicht mal ein Euro ist! In Aleppey angekommen, war ich einfach nur erschlagen von den ganzen Leuten, die einem eine Unterkunft und Touren auf Hausbooten aufschwatzen wollten. Es ist hier zwar alles sehr sehr guenstig im Vergleich zu anderen Laendern, aber irgendwie hat man doch immer das Gefuehl, uebers Ohr gehauen zu werden. Nach allgemeiner Planlosigkeit bin ich dann am naechsten Tag abermals in den Bus gestiegen und noch ein wenig weiter suedlich nach Kollam gefahren, wo dann endlich die Erkundung der Backwaters beginnen konnte. Man muss sich das so vorstellen: Auf der einen Seite der Ortschaften befindet sich das Meer und auf der anderen die Backwaters, ein System aus ueber 1900 km Wasserstrassen, die fuer Mensch und Tier einen einzigartigen Lebensraum bieten. Meine erste Tour fuehrte mich auf einem kleinen Kahn in die an den schmalen Kanaelen gelegenen Doerfer. War schon sehr interessant zu sehen, wie aus Kokosfasern Seile hergestellt werden, wie Riesengarnelen gezuechtet werden und wie die Menschen hier so im allgemeinen leben. Am naechsten Tag bin ich dann in einem 8-Stunden-Trip mit dem Boot von Kollam zurueck nach Aleppey gefahren. Diese abwechslungsreiche Fahrt habe ich wirklich sehr genossen. Es war wie im Film, am Ufer Waesche waschende Frauen, mit Kokosnuessen befuellte Kaehne, badende und winkende Kinder und in ihren schmalen Booten sitzende Fischermaenner an sich vorbei ziehen zu sehen. Das allerbeste an der Fahrt war allerdings, dass ich Jon aus Australien kennengelernt habe. Nachdem wir uns sofort auf Anhieb verstanden haben, waen wir uns schnell einig, am naechsten Tag gemeinsam eine Tour auf dem Hausboot rund um Aleppey zu unternehmen. Begleitet von 3 "Bediensteten" liessen wir zwei uns auf einem sehr komfortablen, umgebauten ehemaligen Transportkahn durch die Gegend schippern, wurden vorzueglich verkoestigt, genossen den Abend mit Whiskeycola und verbrachten die Nacht in der sanft schaukelnden Schlafkabine des Bootes. Wirklich absolut entspannend! Fuer alle, die sich jetzt Gedanken machen, das ich alleine mit einem fremden Mann auf einem Boot unterwegs war: Jon ist schwul ;-). Den Abschluss meiner Backwater-Tage bildete dann die Fahrt mit der oeffentlichen Faehre von Aleppey nach Kottayam. Die brauchte zwar 2 Stunden laenger fuer die Strecke als der Bus, da sie im Zickzack durch die Kanaele fuhr und alle 50 Meter anlandete, war aber mit 10 Rupien sehr guenstig und bot nochmal sehr schoene Ausblicke auf mit Seelilien bedeckte Teiche und beeindruckende Vogelkolonien.

Neben diesen Eindruecken in die faszinierenden Backwaters ist natuerlich noch einiges mehr passiert: ich beginne langsam, indisches Essen wirklich zu moegen, in Kollam durfte ich miterleben, wie zahlreiche Maenner aufgemotzt und geschminkt in Saris durch die Stadt ziehen, um eine Goettin zu huldigen und in Kottayam uebernachtete ich spontan im Haus einer indischen Familie und durfte ein Hindu-Festival zu Ehren Krishnas miterleben. Auf die genauen Ausfuehrungen dazu duerft Ihr euch dann freuen, wenn ich wieder zu Hause bin.

Donnerstag, 24. März 2011

Die ersten Tage in Kerala ...

Das, was ich in Goa an Kultur vermisst habe, konnte ich in den letzten 3 Tagen in Kochi wieder aufholen. Als aelteste europaeische Niederlassung in Indien hat Kochi einiges an Geschichte zu bieten, huebsche Haeuschen in der Altstadt "Jew Town" und zahlreiche Kirchen, die sich friedvoll neben muslimischen Moscheen, Hindu- und Jain-Tempeln einreihen. Noch heute ist die etwa 600.000 Einwohner zaehlende Stadt eine Hochburg fuer Fischerei und Gewuerzhandel. Neben den an westliche Verhaeltnisse erinnernden Einkaufsstrassen im Stadtteil Ernakulam, findet man in den auf einer Halbinsel gelegenen Vierteln Fort Kochi und Mattancherry suesse enge Gaesschen, alte Lagerhaeuser, aus denen einem immer noch der Geruch von Pfeffer und anderen Gewurzen entgegenstroemt, und so viele freundliche Menschen, die einen auch mal spontan einladen, ihnen bei der Herstellung eines Fischernetzes zuzusehen.


Allgemein habe ich hier den Eindruck, dass die Menschen offener und ehrlicher sind als in Goa - natuerlich bis auf die Haendler, die einen auch hier nur in ihre Shops locken wollen ... Treibt einen tagsueber die Sonne die Schweissperlen auf die Stirn, schafft das am Abend das sehr leckere scharf gewurzte Essen mit frischem Fisch. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch einer Kathakali-Vorfuehrung. Kathakali ist einer der keralischen Taenze, bei denen die ausschliesslich maennlichen Taenzer in prachtvollen Kostuemen und einem speziellen Make-Up zu Trommelrhythmen pantomimisch Szenen aus hinduistischen Epen darstellen. Schon irre, was die allein mit der Bewegung ihrer Gesichtsmuskeln und verschiedenen, genau einstudierten Handbewegungen ausdruecken koennen.


Heute lasse ich das suesse Stadtchen mit den Chinesischen Fischernetzten (die bei Sonnenuntergang wirklich fantastisch aussehen) hinter mir und mache mich auf den Weg ins suedlich gelegene Aleppey, von wo aus ich mich hoffentlich mit einem Boot auf Erkundungstour in die Backwaters begebe.
Bis zur naechsten Berichterstattung seid alle ganz lieb gegruesst!!!

Dienstag, 22. März 2011

Es gibt was zu gewinnen!

Ihr seid ja alle ganz fleissig mit Bloglesen beschaeftigt (jedenfalls wenn man der Besucheranzeige Glauben schenken darf, die die 1000 jetzt ueberschritten hat). Damit ich jetzt auch mal ein paar mehr Kommentare von Euch zu lesen bekomme, gibt es mal wieder ein kleines Quiz. Wie schon beim letzten Mal zeige ich Euch per Foto einen Gegenstand aus dem taeglichen Leben hier und Ihr ratet, was oder wofuer das ist.

Und hier ist "das Ding":


Kleiner Tip:Es befindet sich in indischen Zuegen. Mehr wird nicht verraten und Antwortvorgaben gibt es diesmal auch nicht (ich will ja, dass Ihr Eure grauen Zellen anstrengt). Jeder darf nur einen Tip abgeben. Fuer die richtige Antwort gibt's bei meiner Wiederkehr einen Preis. Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet das Los. Alles ohne Gewaehr und unter Ausschluss der Oeffentlichkeit ;-)

Viel Spass beim Raetseln!!!


Ach ja, zum Schluss noch an die, die mich so lieb mit Nachrichtenschreiben versorgt haben: Bissle was von der Weltpolitik bekomm ich hier natuerlich auch mit. Gadaffi und Japan sind auch in den indischen Zeitungen die Schlagzeilen. Und es gibt ja auch noch Spiegel online. Trotzdem ganz lieben Dank und weiter so!

Montag, 21. März 2011

Der Alltag in Goa ...

... war gar nicht so schlecht, wie ich am Anfang befuerchtet hatte. Es hatte schon was, so eine schoene taegliche Routine zu haben - frueh die Kiddies in der Fisherman School unterrichten, dann Haushaltsarbeiten wie Waesche waschen erledigen, nachmittags PC-Unterricht geben und danach entspannt den Feierabend am Strand geniessen. Aber wie alles im Leben, hatte auch diese schoene Routine eines Tages, genauer gesagt vor 2 Tagen ihr Ende... Und das Gute an einem Ende ist, dass etwas neues beginnen kann! Naemlich das dritte Kapitel meiner Indienreise "Claudi allein unterwegs"...

Zunaechst ging es fuer mich am Samstag abend mit den Nachtzug von Margao nach Mumbai. Nach nur 11 Stunden Zugfahrt, auf  denen ich eher nur halbherzig schlafen konnte, kamen wir morgens um 5 Uhr in der 14-Millionen-Metropole an. Den Sonntag verbrachte ich dann mit Schlaf nachholen und ersten Erkundungsversuchen in Mumbai, wobei ich nicht aus der Gegend rund um den Flughafen rauskam, aber das waren auch schon reichlich Eindruecke, die da auf mich einstroemten. Natuerlich mal wieder Menschen ueber Menschen, aber das krasse hier ist, dass direkt neben den aermlichen Behausungen Industrie- und Buerogebaeude aus dem Boden schiessen, so dass man sich doch fragt, wie lange die einfache Bevoelkerung hier wohl noch zum Leben "geduldet" wird. Dieses Wochenende feierten die Inder ja das Farbenfest Holi, bei dem alle wie bekloppt mit Farbe und Wasser um sich schmeissen. Zur Beruhigung meiner lieben Omi kann ich sagen, dass ich in keine Farborgie hineingeraten bin, sondern nur einigen sehr sehr "bunten" Menschen begegnet bin, was mir auch schon einen Eindruck dieser Farbschlacht vermittelt hat. Nachdem ich auch in der letzten Nacht nicht so richtig zum Schlafen gekommen bin (dank der Gebetsgesaenge aus der direkt neben dem Hotel stehenden Moschee und dem Rattern der Klimaanlage, die man hier dringend braucht), bin ich heute morgen dann mit Kingfisher Airline nach Kochi in den Bundesstaat Kerala geflogen. Nach 2 Stunden geruhsamen Flug folgten dann nochmal 2 Stunden Busfahrt vom Flughafen in die Innenstadt - aber so hab ich wenigstens gleich einen recht guten Eindruck ueber die Gegend hier bekommen. Eine Unterkunft hab ich gluecklicherweise auch gleich gefunden (war naemlich total unorganisiert unterwegs und hatte mich im Vorausum nix gekuemmert) - kann jetzt zwar nicht mit dem "deutschen Reinheitsgebot" mithalten, aber es ist guenstig und mit meinen 20 kg Gepaeck hatte ich auch keinen Bock auf eine laengere Suche. Tja und da bin ich nun, allein mit mir in dem Fischeroertchen Kochi, das beim ersten Bummel recht nett anmutet - besonders die sogenannten chinesischen Fischernetze, die vor allem im Sonnenuntergang ganz toll aussehen sollen, haben es mir angetan. Aber das seht ihr ja dann alles auf den Fotos.

Ich werde mir jetzt mal etwas genauer Gedanken ueber die Reiseplanung machen - im Grossen und Ganzen folgen jetzt ein paar Tage Rumreisen suedlich von Kochi (vorzugsweise mit Bus und Boot), dann moechte ich eigentlich noch ein paar Elefanten in einem Nationalpark beobachten (falls ich rauskriege, wie ich dahin komme ...) und dann geht's ab 01.04. zum Meditieren ins Ashram nach Madurai. Ihr duerft also weiterhin gespannt sein, wie ich mich so durchschlage ... Bis jetzt fuehl ich mich sehr gut mit dem Alleinreisen, das Angestarrtwerden bin ich ja mittlerweile gewoehnt und bis jetzt hat noch kein Inder gebissen ;-)

Ach ja, ich habe uebrigens letztens den Paketservice der Indischen Post ausprobiert. 2 Paeckchen mit Souvenirs und Klamotten, die ich einfach zuviel mitgenommen hatte (hab mich erwartungsgemaess hier unten einfach neu eingekleidet), sind - hoffentlich! - auf dem Weg nach Deutschland. Beschwert euch also bitte nicht bei mir, wenn es keine Mitbringsel gibt ;-)

So ich muss jetzt los - die Sonne geht gleich unter und die Fischernetze warten auf mich!
Seid alle lieb gegruesst und gedrueckt von mir!!!!!

Ach ja, noch was zum Schluss: Beate vom Raeumkommando hat ja festgestellt, dass ich so entspannt aussehe. Liegt zum einen sicher an der gesunden Braeune, die ich mir mittlerweile aneignen konnte, zum anderen muss man sich hier aber auch einfach entspannen, sonst wuerde man glaube ich manchmal einfach durchdrehen ;-)

Samstag, 12. März 2011

Endlich gibt's Fotos!!!

... leider nicht als uebersichtliche Diaschau, aber wenn Ihr mal am rechten Rand schaut, da koennt ihr unter dem Punkt "Hier gibt's Fotos zu sehen!" einfach einen von den Unterpunkten anklicken und dann gelangt Ihr zu meinen Picasa-Webalben, wo Ihr Euch dann hoffentlich alle zurecht findet...

Viel Spass beim Bilderbetrachten wuenscht Euch Eure Claudia

Dienstag, 8. März 2011

Goa Alaaf - Viva Carnival!

Ein bisschen traurig war ich ja schon, dass ich diesem Jahr den Karneval in Deutschland verpasse. Umso ueberraschter und erfreuter war ich natuerlich, als ich erfuhr, dass auch hier in Goa Karneval gefeiert wird! Am Sonntag schaute ich mir den grossen Karnevalsumzug in Margao an. Ueber 100 Wagen zogen aehnlich wie beim Rosenmontagsumzug in Koeln an uns vorbei und liessen politische Statements wie "Die Tradition Goas darf nicht sterben", "Rettet den Tiger" oder "Stoppt die Klimaerwaermung" verlauten. Dazu gab es viel Musik und tanzendes "Fussvolk". Also alles wie bei uns, bis auf das Wetter, das mit tropischen 35 Grad nicht nur die Taenzer zum Schwitzen brachte ... Am Rosenmontag und Faschingsdienstag finden dann ueberall kleinere Karnevalsansprachen statt. Die Leute verkleiden sich nicht so irre wie in Koeln, man sieht hoechstens mal Jugendliche mit Masken oder junge Maenner in Frauenkleidern. Allerdings ist es hier Brauch, an den Faschingstagen andere mit mit Farbe oder Wasser gefuellten Balllons zu bewerfen. Das durfte ich dann heute auf meinem Weg zum Strand auch gleich hautnah miterleben: Nichtsahnend sitze ich auf meinem Fahrrad als mich ein Motorrad mit zwei Typen ueberholt, von denen mir einer einfach eine Wasserflasche (zum Glueck keinen Ballon, denn die koennen wohl sehr schmerzhaft sein!) uebers T-Shirt kippt. Auf dem Rueckweg vom Strand hatte ich dann das selbe nochmal. Bis auf den ersten Schreck fand ich's 'ne ganz willkommene Abkuehlung!

Mit so viel Spass vergeht die Zeit hier wie im Flug. Auch wenn ich sicherlich nicht vorbehaltlos von Goa ueberzeugt bin (eindeutig viel zu touristisch, so dass man wirklich nach indischer Kultur suchen muss), so gefaellt es mir doch hier recht gut, einfach da man recht einfach einiges unternehmen kann. Letzten Samstag habe ich mir Velha Goa, die ehemalige Hauptstadt Goas mit ihren zahlreichen Kirchen angesehen. Anschliesssend hab ich mich mit Shoppen und Live-Jazzmusik auf dem Nightmarket in Arpora vergnuegt. Hier hat man wirklich die Qual der Wahl, wenn es um das Aussuchen von Souvenirs geht ... Begleitet wurde ich von meinem "persoenlichen" Taxifahrer Josef, der die ganze Zeit (insgesamt 8 Stunden) geduldig in seinem Taxi gewartet hat, und dafuer insgesamt gerade mal 1700 Rupien (das sind noch nicht mal 30 Euro) verlangt hat. Fuer hiesige Verhaeltnisse ist das sicherlich viel Geld, aber man stelle sich mal vor, wieweit ein Taxifahrer in Deutschland mit so 'ner Preispolitik kaeme ... (nicht wahr, Juergen?)

Soweit der aktuellste Stand von mir. Der aufmerksame Leser wird sicher schon bemerkt haben, dass es jetzt schon ein paar mehr Fotos auf dem Blog gibt. Ich werde mich auch schnellstmoeglich bemuehen, endlich mal ein paar Diaschaus einzufuegen. Ich muss nur die Zeit dazu finden, da es einfach viieeel zu verlockend ist, sich am Nachmittag einfach in die Sonne an den Strand zu legen. Ich kann euch sagen, es gibt schlimmere Arten, den Feierabend zu verbringen ;-)
In diesem Sinne gruesse ich euch alle ganz lieb und schicke euch ein paar waermende Sonnenstrahlen!!!

Sonntag, 6. März 2011

Das Camp und die Freiwilligenarbeit in Goa

Traurig, aber wahr: Meine erste Woche in Goa ist schon wieder rum :-( Und auch wenn es sich hier doch etwas wie Urlaub anfuehlt mit den zahlreichen Palmen in unserem Camp, Nachmittagen am Strand und einer staendig scheinenden Sonne, so leiste ich doch auch hier immer noch Freiwilligenarbeit. Am Vormittag bin ich diesmal in einer sogenannten Fisherman School taetig. Die Fisherman School wurde von IDEX - wie der Name schon vermuten laesst - fuer die Kinder der Fischerleute ins Leben gerufen, die zumeist aus dem benachbarten Bundesstaat Karnataka als Saisonarbeiter nach Goa kommen und ihre Kinder aufgrund des haeufigen Ortswechsels eher nicht in eine staatliche Schule schicken. Die "Schule" befindet sich direkt am Strand in einer kleinen Baracke, ringsherum sind die eher spaerlichen Behausungen der Fischerleute angesiedelt. Der Schulbesuch ist nicht verpflichtend, die Kinder, die kommen wollen und nicht gerade dem Vater beim Fischen helfen muessen, kommen einfach und so kann es schon mal sein, dass man an einem Tag nur mit sieben und am naechsten Tag mit 20 Kindern dasitzt. Auch das Alter der Kinder variiert stark (von 2 bis 10 Jahren haben wir alles dabei), so dass ein wirkliches Unterrichten manchmal gar nicht moeglich ist, sondern das ganze eher an eine Tagesbetreuung erinnert. Jeden Tag versorgen wir die Kinder am Ende des Unterrichts mit einer Mittagsmahlzeit, danach wird gemeinsam Zaehne geputzt. Die Arbeit macht mir mal wieder sehr viel Spass und ich habe in dem 2-jaehrigen Pavan mit seinen langen Wimpern auch schon ein neues "Lieblingskind" gefunden, aber ich merke doch, dass ich mich nicht mehr so auf die ganze Sache einlassen kann wie noch in Lalsot - zum einen, um mir den Abschiedsschmerz zu ersparen und zum anderen wegen meiner schon mal angedeuteten Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Aber dazu spaeter vielleicht nochmal mehr ...
Am Nachmittag gebe ich PC-Unterricht fuer Erwachsene. Davon bin ich wirklich total begeistert! In taeglich 2 Kursstunden erklaere ich den Damen und Herren den Umgang mit Tastatur und Maus, zeige ihnen, wie man Tabellen und andere nuetzliche Sachen am PC erstellen kann. Sie alle freuen sich immer total ueber meine Geduld und sind einfach nur voll suess! Nach getaner Arbeit verbringe ich meine Freizeit meist am Strand, der mit dem Fahrrad nur 10 Minuten entfernt ist, oder in schlendere durch die Geschaefte des nahgelegenen Colva, in denen sich es leider schlecht handeln laesst, da die vielen Touristen, die hierher kommen eh alles fuer den angegebenen Preis kaufen.
In unserem Camp in Majorda werden wir sehr gut mit Essen verkoestigt, das stets sehr lecker und erfreulicherweise abwechslungsreicher ist als in Lalsot (also kann ich das Abnehmen dann doch wieder vergessen ...). Wir leben hier jeweils zu viert in Bungalow-artigen Haeuschen, die rings um eine Liegewiese mit Kokospalmen angeordnet sind - echt idyllisch. Anders als in Lalsot haben wir richtige duschen - zwar nur mit kaltem Wasser, aber warm wuerde man bei der Hitze hier eh nicht duschen. Auch hier muessen wir nicht auf "Haustiere" verzichten - wir hatten jetzt schon zweimal einen Frosch direkt in der Kloschuessel sitzen. Zuletzt gestern abend um 23 Uhr, niemand von meinen Mitbewohnern war da und ich musste so dringend ... Gluecklicherweise hat mir dann einer von den Angestellten hier ganz souveraen geholfen, das Tierchen wieder in die Natur zu befoerdern, waehrend ich schon einen Schreikrampf bekommen habe als der kleine Frosch auch nur einen kleinen Satz in meine Richtung gemacht hat - was ein Spass ...
Bei meiner Ankunft in Majorda waren ueber 30 Freiwillige im Camp, von denen im Laufe der letzten Woche aber ein Grossteil abgereist ist. Das ganze Camp wirkt bei weitem nicht so familiaer wie das in Lalsot. Dort war der Zusammenhalt sowohl unter den Freiwilligen als auch mit den IDEX-Mitarbeitern um einiges groesser - einfach aus dem Grund, das man die ganze Zeit zusammen verbracht hat, da man viel weniger die Moeglichkeit hatte, etwas ausserhalb des Camps zu unternehmen. Hier ist der Starnd in greifbarer Naehe, abends lockt das Nachtleben in den Strandbars. Und genau da beginnen die Probleme ... Viele Freiwillige finden die sich bietenden Freizeitaktivitaeten attraktiver als die eigentliche Arbeit und ich frage mich, warum sie sich dann eigentlich fuer dieses Programm entschieden haben (ein normaler Strandurlaub in Goa wuerde sie naemlich einige Euro weniger kosten). So werden die Vorbereitungen der Unterrichtsstunden auf ein Minimun reduziert, kaum einer uebernimmt Aufgaben am Nachmittag. Auf der anderen Seite haben jedoch weder die Executives, die auch hier die Freiwilligen begleiten und gegebenenfalls Uebersetzungsarbeit leisten, noch die Campmanagerin das Durchsetzungsvermoegen, eine ordentliche Leistung von den Freiwilligen einzufordern. Gerade die Freiwilligen, die gute Arbeit leisten wollen, fuehlen sich vor allem dadurch demotiviert, das niemand von den IDEX-Mitarbeitern Interesse fuer die eigene Arbeit zeigt. Wenn man hier als Freiwilliger nicht selber Dinge hinterfragt oder sich notwendige Informationen beschafft, erhaelt man sie auch nicht. Und da scheint es dann doch fuer viele einfacher, sich einfach an den Strand zu legen ... Ein Teufelskreislauf. Wie schon in Lalsot finde ich diese "Erkenntnisse" keinesfalls demotivierend, sondern durchaus interessant und spannend. Ich fuer mich selber finde sicherlich einen Weg, meine Arbeit hier sinnvoll zu gestalten, nur inwieweit das natuerlich auf lange Sicht sinnvoll ist, steht auch hier wieder in den Sternen ...

Mittwoch, 2. März 2011

Indiens Strandparadies Goa

... ist seit dem vergangenen Samstag also mein "neues Zuhause". Und es ist krass, wie viel anders es hier einfach ist als in Rajasthan, nicht nur wegen der anderen landschaftlichen Umgebung (weisse Sandstraende, Palmen) oder dem tropischen Klima, sondern einfach wegen der Lebensart und den Menschen! Goa, in den 60-er / 70-er Jahren von europaeischen Aussteigern als Traumziel entdeckt, avancierte schnell zur Hippiehochburg Indiens, wovon man auch heute noch einiges spueren kann. Zum anderen sind die europaeischen Einfluesse aus der Kolonialzeit hier extrem spuerbar: Neben Hindutempeln findet man romanische Kirchen, in Goas Hauptstadt Panaji erinnert das Stadtviertel Sao Tome mit seinen bunten kleinen Haeuschen doch stark an Portugal - nicht verwunderlich, denn erst 1961 endete die portugiesische Kolonialherrschaft in Goa. Goa koennte eigentlich auch irgendwo in Europa liegen, hat man bald das Gefuehl. Viele indische und europaeische Touristen verbringen hier ihre Ferien - sozusagen Indiens Mallorca .... Die hier lebenden Menschen sind natuerlich voll auf den Tourismus eingestellt: Niemand fragt neugierig wie im Norden "What is your name?", sondern versucht hoechsten, einem Souvenirs "aufzuschwatzen". Mein erster Eindruck von Goa war, dass hier der Charme, der das Indien des Norden fuer mich so faszinierend gemacht hat, einfach fehlt: Keine bunt bemalten Laster auf den Strassen, keine Traktoren, aus deren Lautsprechern folkkloristische Musik dringt, keine Fahrzeuge, die vor Insassen "ueberquellen" (im Norden passen schon mal 20 Leute in einen Jeep und dann noch welche aufs Dach...), keine Menschen, die sich neugierig nach einem umdrehen, weil sie wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben zuvor einen Weissen gesehen haben. Ich bin mir aber sicher, dass es trotzdem auch hier sehenswerte indische Kultur gibt - man muss eben nur ein wenig genauer hinschauen, um sie zwischen Ballermann-aehnlichen Strandparties, "Subway" und "McDonalds" zu entdecken ...

Dienstag, 1. März 2011

Standortwechsel

Am vergangenen Donnerstag hiess es dann Abschied nehmen von Rajasthan, dem Camp, "meinen" Kindern und meinen liebgewonnenen Mitstreitern. Das Herz war mir vor allem wegen der Kiddies in der Schule doch sehr schwer - man hat sich so an sie gewoehnt, hat sich ihren Respekt und in vielen Faellen auch ihre Zuneigung erarbeitet und konnte sehen, welche Fortschritte sie in den vergangenen Wochen gemacht haben. Und dann laesst man sie einfach zurueck und sieht sie nie wieder in diesem Leben ... Da musste ich mir schon die ein oder andere Traene verdruecken :-( Aber ich hatte mich nun mal dazu entschlossen, noch einen weiteren Teil Indiens im Rahmen des Freiwilligenprogramms zu besuchen und da ist nun mal ein Abschied unvermeidlich. So ging es dann zusammen mit 2 weiteren Maedels am Donnerstag zunaechst nach Jaipur, wo wir eine Nacht im dortigen Freiwilligen-Camp verbrachten. Bei unserer Ankunft erinnerte es jedoch weniger an ein Camp als vielmehr an eine Model-WG - relativ aufgetakelte "Tussen" (wir waren von Lalsot doch einen anderen Standard gewoehnt), die aufgeregt durcheinander liefen und sich grad fuer den anstehenden Besuch einer Hochzeit schick machten ... Fuer uns war das wie eine andere Welt und wir fuehlten uns einfach nur unwohl und hofften, dass die Zeit hier schnell vorbeigeht. Ging sie dann auch. Am naechsten Morgen ging es fuer uns schon zum Bahnhof von Jaipur. Was folgte, war eine gut 30 stuendige Zugfahrt, vor der mir anfangs doch ein wenig gegraut hat, da ich mich noch lebhaft an die anstrengenden 48 Stunden Zugfahrt in Australien erinnern kann! Wir hatten aber zum Glueck eine recht gute Platzkategorie (Schlafwagen mit Klimaanlage), so dass das Zugabteil sehr ordentlich und sauber war, wir ein vernuenftiges Bett zum Schlafen hatten und auch unsere Mitreisenden (hauptsaechlich Leute aus der Mittel- und Oberschicht) sehr angenehm waren. Wir hatten einen netten aelteren indischen Herren in unserem Abteil sitzen, mit dem man sich gut verstaendigen konnte und der uns immer ganz bemueht von seinen ganzen Essensrationen, die er mit an Bord gebracht hatte, leckere Sachen zum Verkosten abgegeben hat (das von seiner Nichte selbstgemachte Chutney war einfach der Hammer!). Ausserdem durfte ich einen Althippie aus Muenchen kennenlernen, der 1980 Indien erstmals bereiste und nun seit 15 Jahren regelmaessig jeden deutschen Winter hier verlebt. Er hatte zwar manchmal ein paar recht "ueberspirituelle" Ansichten, denen ich nicht so folgen konnte, es war aber recht interessant zu erfahren, wie ambivalent selbst ein so eingefleischter Indienreisender wie er dem Land gegenuebersteht. "Hassliebe" war seine Bezeichnung dafuer, dass einen das Land nicht loslaesst, selbst wenn man viele Eigenarten seiner Einwohner absolut nervig findet. Wenn ich mal niemanden zum erzaehlen hatte, hab ich einfach aus dem Fenster geschaut, was mindestens genau so interessant war: Die karge Steppenlandschaft Rajasthans wich bald Reisfeldern, gruenen Huegeln, Fluessen und Palmen. Und es wurde mit jeder Station, an der wir hielten, merklich waermer, man kann sogar sagen richtig heiss und tropisch. Mit drei Stunden Verspaetung (da rege sich mal noch einer ueber die Deutsche Bahn auf ;-) ) erreichten wir dann am Samstag Nachmittag Margao im Bundesstaat Goa. Von dort aus war es nur noch eine kurze Autofahrt zu unserem "neuen Zuhause", dem IDEX-Camp in Majorda ...

"Rajasthan Good-Bye" - Ein Rueckblick

Kaum zu glauben, aber ich bin schon seit 5 Wochen hier in Indien!!! Was heisst, dass der erste Teil meiner Indienreise, naemlich die Freiwilligenarbeit in Lalsot, endet und wir das Kapitel "Indien Teil 2: Freiwilligenarbeit in Goa" aufschlagen. Ich war selbst ein wenig ueberrascht, dass dieser Ortswechsel jetzt schon ansteht, kommt es mir doch so vor, als waere ich erst gestern hier gelandet, obwohl es sich auf der anderen Seite so anfuehlt als haette ich Deutschland bereits vor Lichtjahren verlassen - sehr ulkig ...

Ich habe grad so gemerkt, dass die bisherigen Schilderungen vom ersten Teil meines Indienerlebnisses alle so'n bissle unstrukturiert sind (was sicher der schlechten Internetsituation geschuldet ist), so dass ich nun an dieser Stelle mal versuchen will, meine bisherigen Erfahrungen hier fuer Euch so'n bissle zu sortieren.

Ueber IDEX und die Freiwilligenarbeit
Wie ich schon angedeutet habe, heisst die Organisation fuer die ich momentan hier "arbeite" Idex, was ausgeschrieben Indian Evelopment Exchange, zu deutsch Indischer Entwicklungsaustausch, heisst. IDEX, als GmbH gefuehrt, hat seinen Hauptsitz in Jaipur und unterhaelt verschiedene Projektstandorte - ein Camp in Himachal Pradesh (ist im Himalaya), das Camp in Lalsot im noerdlichen Bundesstaat Rajasthan, ein Camp in Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, und das Camp in Margao im Bundesstaat Goa. Ein weiteres Camp in der Naehe der pakistanischen Grenze ist derzeit geschlossen - nach dem Hochwasser in Pakistan, das auch diesen Teil Indiens betroffen hat, muss das Camp erst wieder in Stand gesetzt werden. Seine Freiwilligen "bezieht" IDEX ueber sogenannte "Sending Organisations" aus den verschiedenen europaeischen Laendern. Alle Freiwilligen zahlen eine nicht unerhebliche Summe Geld (ich weiss leider nicht, wie diese Summe unter der Sending Organisation und IDEX aufgeteilt wird) und bekommen dafuer hier Unterkunft und Verpflegung, die Sicherheit, dass bei allen fuer die Freiwilligenarbeit notwendigerweise zurueckzulegenden Fahrtstrecken ein IDEX-Mitarbeiter als Begleitung dabei ist und natuerlich die einmalige Chance, in Indien Entwicklungsarbeit leisten zu duerfen. Ueber meine bisherige Arbeit in Lalsot habe ich ja schon recht ausfuehrlich berichtet. Nachdem ich nun knapp 4 Wochen Erfahrungen als "Lehrerin" in einer staatlichen Schule sammeln konnte und die Arbeit sehr genossen habe und unter keinen Umstaenden missen moechte, muss ich dennoch sagen, dass ich nicht wirklich davon ueberzeugt bin, dass die Arbeit, die wir hier leisten, auf lange Sicht wirklich den Leuten hier vor Ort hilft. Vielmehr muss ich hoffen, dass sie nicht wirklich schadet ... Das klingt jetzt sicher demotiviert, so empfinde ich es jedoch nicht - ich mach mir halt nur meine Gedanken ... Kurzer Erklaerungsversuch: Die Situation an den staatlichen Schulen hier in Rajasthan ist recht unbefriedigend - zum einen werden die Kinder nicht regelmaessig zur Schule geschickt, da die Eltern selbst ungebildet sind und die Notwendigkeit des Schulbesuches nicht einsehen, oder die Kinder eben im Haushalt "benoetigt" werden. Zum anderen sind fuer die in der Schule anwesenden Kinder aber gar nicht genug bzw. unmotivierte, ueberforderte Lehrer vorhanden, die auch gerne mal die Hand gegen die Schueler erheben. An einer Schule war an einem Nachmittag fuer 4 Klassen nur ein Lehrer anwesend, der dann immer zwischen den Klassen hin und her gesprungen ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, resultiert der Lehrermangel - wie soll es auch anders sein - aus finanziellen Engpaessen der Staatlichen Schulen, die fuer die Bevoelkerung kostenlos sind. Freiwillige werden nun als das Mittel der Wahl angepriesen, mit der Begruendung, dass sie eben ein anderes Schulsystem kennen, das auch ohne Schlagen ausgekommen ist, und den Unterricht anschaulicher gestalten als die indischen Lehrer. Dass ein Freiwilliger aber immer nur 4, 8 oder maximal 12 Wochen da ist und danach ein anderer kommt, der mit den Kiddies genauso wieder bei null anfaengt und vielleicht auch eine ganz andere Lehrmethode benutzt, ist die Kehrseite. Ich hab in den nicht mal 4 Wochen gerade mal einen Einblick erhalten, was meine Schueler so koennen und mit welchen Lehrmethoden (so man das so nennen kann) man am weitesten bei ihnen kommt und gerade wenn ich mit der eigentlichen erfolgbringenden Arbeit anfangen koennte, ist meine Zeit um und ich lasse die Kinder zurueck. Zum Glueck sind sie jetzt nicht ganz allein (einen festen Lehrer gibt es naemlich fuer diese Klasse nicht), da wir zu zweit in der Klasse gearbeitet haben und meine Mitstreiterin noch weitere 4 Wochen bleibt. Sie wird dann hoffentlich neue Freiwillige einarbeiten, so ein nahtloser Uebergang ist aber selten gewaehrleistet, so dass man sich auf niedergeschriebene Aktivitaetsreporte ehemaliger Freiwilliger beschraenken muss. Ingsgesamt hab ich mich schon oefter gefragt, ob das viele Geld, das wir hier fuer unsere Teilnahme bezahlen (und von dem sicher ein ganzer Teil irgendwo in irgendwelchen Verwaltungsapparaten haengenbleibt), nicht besser in die Ausbildung oder Bezahlung indischer Lehrkraefte investiert werden sollte - damit waere dem System im Sinne der "Hilfe zur Selbsthilfe" wahrscheinlich mehr gedient. Ich hab schon gesagt, dass ich das Ganze definitiv nicht so demotivierend oder pessimistisch finde, wie es jetzt vielleicht klingen mag. Fuer all die Freiwilligen, die hier arbeiten, bietet das Projekt natuerlich die einmalige Chance, ein unbekanntes Land relativ organisiert zu entdecken und nebenher noch das Gefuehl zu erhalten, etwas sinnvolles zu tun.

Ueber Rajasthan und das Leben im Camp
Wie ich schon geschrieben habe, lebten wir waehrend unserer Arbeit in Lalsot in einem sehr einfachen Camp mit Lehmhuetten, Wassereimern statt Duschen, tagtaeglichen Stromausfaellen, Ratten (die ich leider nie gesehen habe) und anderen Widrigkeiten, die euch zu Hause wahrscheinlich die Haende ueber dem Kopf zusammenschlagen lassen. Mein erster Eindruck, als wir zum ersten Mal nachts auf der Buckelpiste das Camp erreichten, war auch wirklich "Was und hier soll ich 4 Wochen ueberleben? Das geht ja gar nicht!" Doch dann hat es sich wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis entwickelt, dank sehr netter Mitteilnehmer, dem obligatorischen Volleyballspielen am Nachmittag, Spass an der Arbeit mit den kleinen Rackern in der Schule und so vielen Kleinigkeiten mehr. Wir sind als Gruppe schon sehr zusammengewachsen, da man unter der Woche auch nur sehr wenig ausserhalb des Camps unternehmen konnte, so dass mir der Abschied von meinem Camp am vergangenen Donnerstag schon echt schwer fiel - doch dazu spaeter mehr.
Im Allgemeinen leben die Menschen in dem Bundesstaat Rajasthan sehr aermlich und einfach. Den Lebensunterhalt verdienen die meisten durch Landwirtschaft. Es gibt einen hohen Anteil von Analphabeten, die weder des Hindi-Schreibens geschweige denn des Englischen maechtig sind. Viele von den Menschen hier kommen ihr Leben lang nicht raus aus ihrem Dorf, vielleicht besuchen sie mal den Nachbarort. Da ist es natuerlich nicht verwunderlich, dass die Ankunft von weissen Europaern fuer viele hier das Highlight ihres Lebens ist. Dementsprechend hat dann auch so ziemlich jeder Dorfbewohner versucht, mit uns in Kontakt zu treten: Vom verstohlen Einfach-Nur-Anstarren-und-auf-eine-Reaktion-von-uns-Warten, ueber ein freundliches "Namaste" oder "What ist your name?" (das ist wahrscheinlich der am meisten gesprochene englische Satz hier im Norden) bis hin zum man kann schon sagen Grabschen nach Armbaendern und sonstigen wertvoll aussehenden Sachen. Ich weiss noch, wie wir an einem Sonntag eine kleine Radtour in den Nebenort unternommen haben, nach kurzer Zeit aber entnervt umgekehrt sind, da uns etliche Kinder schreiend hinterher gerannt sind und auch Versuche unternommen haben, auf unserem Gepaecktraeger eine Mitfahrgelegenehit zuerhaschen. Was sicher alles sehr freundlich gemeint ist, kann einen als Besucher manchmal schon richtig nerven, Man hat das Gefuehl, die Inder (ich weiss natuerlich, dass man das nicht verallgemeinern kann) kennen nicht wirklich eine Privatsphaere: Egal wo man steht, immer bildet sich gleich eine Menschentraube um einen, moeglichst dicht gedraengt, damit sie auch hoeren, was der Europaeer zu sagen hat (selbst wenn man es nicht bersteht). Besonders unangenehm ist das beim Geldautomaten - Diskretionsabstand kennt man hier nicht (allerdings nicht nur uns, sondern auch den eigenen Landsleuten gegenueber). Auch wenn ich von bestimmten kulturellen Verhaltensweisen des oefteren mal genervt war, so muss ich doch sagen, dass ich Rajasthan sehr in mein Herz geschlossen habe. Es laesst sich gar nicht so genau sagen, was mich so an diesem Landstrich fasziniert hat,  aber dieses "Ich liebe es"-Gefuehl war einfach da und viel zu schnell verging die Zeit, die ich hier verleben durfte ...

Unser Leben neben der Arbeit - Ausfluege am Wochenende
Wir muessen hier natuerlich nicht nur "schuften", sondern unternehmen auch eine ganze Menge, um das Land etwas naeher kennenzulernen. An dieser Stelle werde ich nochmal etwas ausfuehrlicher ueber die Ausfluege der ersten 5 Wochen berichten - wenn ich die Zeit dazu finde ... Also immer mal wieder in den Bericht reinschauen!

Bereits in unserer ersten Woche standen ja einige Exkursionen auf dem Programm. So unternahmen wir eine Tigersafari im Ranthambore Nationalpark und hatten das wohl sehr seltene Glueck, auch wirklich einen Tiger zu sehen. Der lag zwar nur faul im Gebuesch rum, aber das war mir tausendmal lieber als wenn er zu nah an unseren Oben-Ohne-Bus gekommen und vielleicht noch zum Sprung angesetzt haette ;-) Interessant fand ich es, wie hier mit sogenanten Nationalparks umgegangen wird: Da liegen Zigarettenstummel herum, die Safaribusse fahren bei Gegenverkehr rigeros ueber Buesche und Straeuche hinweg, da die Fahrbahn zu schmal fuer zwei Fahrzeuge ist. Ist halt Indien ...
Waehrend unserer Orientierungstage in Jaipur hatten wir beim Besuch des Old Markets die Chance das Feilschen zu erlernen. Ein Beispiel dazu: Ich wollte mir zwei Oberteile kaufen. Eins sollte 850 Rupien kosten, ich meinte ich zahl 500 fuer beide zusammen. Der Verkaeufer macht ein betroffenes Gesicht, meint theatralisch "Willst du mich ruinieren?", ich sage "Dann eben nicht" und verlasse das Geschaeft, er ruft mich zurueck, hin und her und ich bekomme beide Teile fuer 600 Rupien, was nicht mal 10 Euro sind. Und damit hat er wahrscheinlich immer noch ein gutes Geschaeft gemacht... Wirklich absolut lustig! Des weiteren haben wir uns in Jaipur im Kino einen Bollywood-Film angeschaut. Klingt ja erst mal nicht so spektakulaer, aber schon die Eingangshalle des Kinos war ein echter Hingucker mit Stuck und allem moeglichen Schnickschnack. Des weiteren war es dann total interessant und lustig zu sehen, wie sich das indische Kinopuplikum so verhaelt: Die rasten einfach total aus, wenn es im Film nur den kleinsten Hauch von Zaertlichkeiten zwischen den Geschlechtern gibt. Da wird geklatscht, gepfiffen, gejohlt, was wohl eindeutig als Zeichen der Verklemmtheit der Inder zu sehen ist. Anders als uns der schnulzige Bollywood-Film naemlich vorgaukelt, finden im "normalen" Leben Haendchenhalten und Kuessen nicht in der Oeffentlichkeit statt - das Thema Sexualitaet wird voellig tabuisiert. Tabu war auch mal der Elefantenritt zum Amber Fort in Jaipur. Zu unserem Glueck (wenn auch zum Unglueck der Elefanten), kann man sich nun aber wieder von einem Dickhaeuter hinauf zu dem Fort bringen lassen, das aussieht als waere es dem Maerchen "Tausendundeiner Nacht" entsprungen. Ist schon eine ganz schoen wackelige Angelegenheit, wenn man zu zweit in einer Art Korb auf so 'nem grossen Tier hockt, aber nach anfaenglicher Nervositaet habe ich es genossen - und der Elefant ist auch unbeschadet aus der ganzen Angelegenheit rausgekommen ;-) Waehrend unserer Orientierungstage haben wir uebrigens bei einer indischen Gastfamilie gewohnt, die uns sehr nett aufgenommen und mit koestlichem Essen versorgt haben.
Im Anschluss an die Orientierungswoche in Jaipur besichtigten wir die Touristenattraktion Indiens - das Taj Mahal. Wirklich imposant, gerade wenn man bedenkt, dass es allein als Grabmal fuer eine einzige Frau errichtet wurde ... Wir besichtigten das Monument in den fruehen Morgenstunden, so dass wir auch halbwegs vom grossen Touristenansturm verschont blieben.
Sicherlich ein Highlight der Zeit in Rajasthan war der Besuch der Stadt Pushkar inklusive Kamelsafari. Pushkar, das mit einem seltenen Brahma-Tempel und seinem Heiligen See eine der beliebtesten Pilgerstaetten Indiens ist, war mir persoenlich zwar zu touristisch, aber die Kamelsafari war echt der Hammer - auch wenn ich am Anfang dachte, dass ich keine 10 Minuten auf dem Kamel ueberleben werde ...