... Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. - Aurelius Augustinus -
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Montag, 21. März 2011

Der Alltag in Goa ...

... war gar nicht so schlecht, wie ich am Anfang befuerchtet hatte. Es hatte schon was, so eine schoene taegliche Routine zu haben - frueh die Kiddies in der Fisherman School unterrichten, dann Haushaltsarbeiten wie Waesche waschen erledigen, nachmittags PC-Unterricht geben und danach entspannt den Feierabend am Strand geniessen. Aber wie alles im Leben, hatte auch diese schoene Routine eines Tages, genauer gesagt vor 2 Tagen ihr Ende... Und das Gute an einem Ende ist, dass etwas neues beginnen kann! Naemlich das dritte Kapitel meiner Indienreise "Claudi allein unterwegs"...

Zunaechst ging es fuer mich am Samstag abend mit den Nachtzug von Margao nach Mumbai. Nach nur 11 Stunden Zugfahrt, auf  denen ich eher nur halbherzig schlafen konnte, kamen wir morgens um 5 Uhr in der 14-Millionen-Metropole an. Den Sonntag verbrachte ich dann mit Schlaf nachholen und ersten Erkundungsversuchen in Mumbai, wobei ich nicht aus der Gegend rund um den Flughafen rauskam, aber das waren auch schon reichlich Eindruecke, die da auf mich einstroemten. Natuerlich mal wieder Menschen ueber Menschen, aber das krasse hier ist, dass direkt neben den aermlichen Behausungen Industrie- und Buerogebaeude aus dem Boden schiessen, so dass man sich doch fragt, wie lange die einfache Bevoelkerung hier wohl noch zum Leben "geduldet" wird. Dieses Wochenende feierten die Inder ja das Farbenfest Holi, bei dem alle wie bekloppt mit Farbe und Wasser um sich schmeissen. Zur Beruhigung meiner lieben Omi kann ich sagen, dass ich in keine Farborgie hineingeraten bin, sondern nur einigen sehr sehr "bunten" Menschen begegnet bin, was mir auch schon einen Eindruck dieser Farbschlacht vermittelt hat. Nachdem ich auch in der letzten Nacht nicht so richtig zum Schlafen gekommen bin (dank der Gebetsgesaenge aus der direkt neben dem Hotel stehenden Moschee und dem Rattern der Klimaanlage, die man hier dringend braucht), bin ich heute morgen dann mit Kingfisher Airline nach Kochi in den Bundesstaat Kerala geflogen. Nach 2 Stunden geruhsamen Flug folgten dann nochmal 2 Stunden Busfahrt vom Flughafen in die Innenstadt - aber so hab ich wenigstens gleich einen recht guten Eindruck ueber die Gegend hier bekommen. Eine Unterkunft hab ich gluecklicherweise auch gleich gefunden (war naemlich total unorganisiert unterwegs und hatte mich im Vorausum nix gekuemmert) - kann jetzt zwar nicht mit dem "deutschen Reinheitsgebot" mithalten, aber es ist guenstig und mit meinen 20 kg Gepaeck hatte ich auch keinen Bock auf eine laengere Suche. Tja und da bin ich nun, allein mit mir in dem Fischeroertchen Kochi, das beim ersten Bummel recht nett anmutet - besonders die sogenannten chinesischen Fischernetze, die vor allem im Sonnenuntergang ganz toll aussehen sollen, haben es mir angetan. Aber das seht ihr ja dann alles auf den Fotos.

Ich werde mir jetzt mal etwas genauer Gedanken ueber die Reiseplanung machen - im Grossen und Ganzen folgen jetzt ein paar Tage Rumreisen suedlich von Kochi (vorzugsweise mit Bus und Boot), dann moechte ich eigentlich noch ein paar Elefanten in einem Nationalpark beobachten (falls ich rauskriege, wie ich dahin komme ...) und dann geht's ab 01.04. zum Meditieren ins Ashram nach Madurai. Ihr duerft also weiterhin gespannt sein, wie ich mich so durchschlage ... Bis jetzt fuehl ich mich sehr gut mit dem Alleinreisen, das Angestarrtwerden bin ich ja mittlerweile gewoehnt und bis jetzt hat noch kein Inder gebissen ;-)

Ach ja, ich habe uebrigens letztens den Paketservice der Indischen Post ausprobiert. 2 Paeckchen mit Souvenirs und Klamotten, die ich einfach zuviel mitgenommen hatte (hab mich erwartungsgemaess hier unten einfach neu eingekleidet), sind - hoffentlich! - auf dem Weg nach Deutschland. Beschwert euch also bitte nicht bei mir, wenn es keine Mitbringsel gibt ;-)

So ich muss jetzt los - die Sonne geht gleich unter und die Fischernetze warten auf mich!
Seid alle lieb gegruesst und gedrueckt von mir!!!!!

Ach ja, noch was zum Schluss: Beate vom Raeumkommando hat ja festgestellt, dass ich so entspannt aussehe. Liegt zum einen sicher an der gesunden Braeune, die ich mir mittlerweile aneignen konnte, zum anderen muss man sich hier aber auch einfach entspannen, sonst wuerde man glaube ich manchmal einfach durchdrehen ;-)

Dienstag, 8. März 2011

Goa Alaaf - Viva Carnival!

Ein bisschen traurig war ich ja schon, dass ich diesem Jahr den Karneval in Deutschland verpasse. Umso ueberraschter und erfreuter war ich natuerlich, als ich erfuhr, dass auch hier in Goa Karneval gefeiert wird! Am Sonntag schaute ich mir den grossen Karnevalsumzug in Margao an. Ueber 100 Wagen zogen aehnlich wie beim Rosenmontagsumzug in Koeln an uns vorbei und liessen politische Statements wie "Die Tradition Goas darf nicht sterben", "Rettet den Tiger" oder "Stoppt die Klimaerwaermung" verlauten. Dazu gab es viel Musik und tanzendes "Fussvolk". Also alles wie bei uns, bis auf das Wetter, das mit tropischen 35 Grad nicht nur die Taenzer zum Schwitzen brachte ... Am Rosenmontag und Faschingsdienstag finden dann ueberall kleinere Karnevalsansprachen statt. Die Leute verkleiden sich nicht so irre wie in Koeln, man sieht hoechstens mal Jugendliche mit Masken oder junge Maenner in Frauenkleidern. Allerdings ist es hier Brauch, an den Faschingstagen andere mit mit Farbe oder Wasser gefuellten Balllons zu bewerfen. Das durfte ich dann heute auf meinem Weg zum Strand auch gleich hautnah miterleben: Nichtsahnend sitze ich auf meinem Fahrrad als mich ein Motorrad mit zwei Typen ueberholt, von denen mir einer einfach eine Wasserflasche (zum Glueck keinen Ballon, denn die koennen wohl sehr schmerzhaft sein!) uebers T-Shirt kippt. Auf dem Rueckweg vom Strand hatte ich dann das selbe nochmal. Bis auf den ersten Schreck fand ich's 'ne ganz willkommene Abkuehlung!

Mit so viel Spass vergeht die Zeit hier wie im Flug. Auch wenn ich sicherlich nicht vorbehaltlos von Goa ueberzeugt bin (eindeutig viel zu touristisch, so dass man wirklich nach indischer Kultur suchen muss), so gefaellt es mir doch hier recht gut, einfach da man recht einfach einiges unternehmen kann. Letzten Samstag habe ich mir Velha Goa, die ehemalige Hauptstadt Goas mit ihren zahlreichen Kirchen angesehen. Anschliesssend hab ich mich mit Shoppen und Live-Jazzmusik auf dem Nightmarket in Arpora vergnuegt. Hier hat man wirklich die Qual der Wahl, wenn es um das Aussuchen von Souvenirs geht ... Begleitet wurde ich von meinem "persoenlichen" Taxifahrer Josef, der die ganze Zeit (insgesamt 8 Stunden) geduldig in seinem Taxi gewartet hat, und dafuer insgesamt gerade mal 1700 Rupien (das sind noch nicht mal 30 Euro) verlangt hat. Fuer hiesige Verhaeltnisse ist das sicherlich viel Geld, aber man stelle sich mal vor, wieweit ein Taxifahrer in Deutschland mit so 'ner Preispolitik kaeme ... (nicht wahr, Juergen?)

Soweit der aktuellste Stand von mir. Der aufmerksame Leser wird sicher schon bemerkt haben, dass es jetzt schon ein paar mehr Fotos auf dem Blog gibt. Ich werde mich auch schnellstmoeglich bemuehen, endlich mal ein paar Diaschaus einzufuegen. Ich muss nur die Zeit dazu finden, da es einfach viieeel zu verlockend ist, sich am Nachmittag einfach in die Sonne an den Strand zu legen. Ich kann euch sagen, es gibt schlimmere Arten, den Feierabend zu verbringen ;-)
In diesem Sinne gruesse ich euch alle ganz lieb und schicke euch ein paar waermende Sonnenstrahlen!!!

Mittwoch, 2. März 2011

Indiens Strandparadies Goa

... ist seit dem vergangenen Samstag also mein "neues Zuhause". Und es ist krass, wie viel anders es hier einfach ist als in Rajasthan, nicht nur wegen der anderen landschaftlichen Umgebung (weisse Sandstraende, Palmen) oder dem tropischen Klima, sondern einfach wegen der Lebensart und den Menschen! Goa, in den 60-er / 70-er Jahren von europaeischen Aussteigern als Traumziel entdeckt, avancierte schnell zur Hippiehochburg Indiens, wovon man auch heute noch einiges spueren kann. Zum anderen sind die europaeischen Einfluesse aus der Kolonialzeit hier extrem spuerbar: Neben Hindutempeln findet man romanische Kirchen, in Goas Hauptstadt Panaji erinnert das Stadtviertel Sao Tome mit seinen bunten kleinen Haeuschen doch stark an Portugal - nicht verwunderlich, denn erst 1961 endete die portugiesische Kolonialherrschaft in Goa. Goa koennte eigentlich auch irgendwo in Europa liegen, hat man bald das Gefuehl. Viele indische und europaeische Touristen verbringen hier ihre Ferien - sozusagen Indiens Mallorca .... Die hier lebenden Menschen sind natuerlich voll auf den Tourismus eingestellt: Niemand fragt neugierig wie im Norden "What is your name?", sondern versucht hoechsten, einem Souvenirs "aufzuschwatzen". Mein erster Eindruck von Goa war, dass hier der Charme, der das Indien des Norden fuer mich so faszinierend gemacht hat, einfach fehlt: Keine bunt bemalten Laster auf den Strassen, keine Traktoren, aus deren Lautsprechern folkkloristische Musik dringt, keine Fahrzeuge, die vor Insassen "ueberquellen" (im Norden passen schon mal 20 Leute in einen Jeep und dann noch welche aufs Dach...), keine Menschen, die sich neugierig nach einem umdrehen, weil sie wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben zuvor einen Weissen gesehen haben. Ich bin mir aber sicher, dass es trotzdem auch hier sehenswerte indische Kultur gibt - man muss eben nur ein wenig genauer hinschauen, um sie zwischen Ballermann-aehnlichen Strandparties, "Subway" und "McDonalds" zu entdecken ...

Dienstag, 1. März 2011

Standortwechsel

Am vergangenen Donnerstag hiess es dann Abschied nehmen von Rajasthan, dem Camp, "meinen" Kindern und meinen liebgewonnenen Mitstreitern. Das Herz war mir vor allem wegen der Kiddies in der Schule doch sehr schwer - man hat sich so an sie gewoehnt, hat sich ihren Respekt und in vielen Faellen auch ihre Zuneigung erarbeitet und konnte sehen, welche Fortschritte sie in den vergangenen Wochen gemacht haben. Und dann laesst man sie einfach zurueck und sieht sie nie wieder in diesem Leben ... Da musste ich mir schon die ein oder andere Traene verdruecken :-( Aber ich hatte mich nun mal dazu entschlossen, noch einen weiteren Teil Indiens im Rahmen des Freiwilligenprogramms zu besuchen und da ist nun mal ein Abschied unvermeidlich. So ging es dann zusammen mit 2 weiteren Maedels am Donnerstag zunaechst nach Jaipur, wo wir eine Nacht im dortigen Freiwilligen-Camp verbrachten. Bei unserer Ankunft erinnerte es jedoch weniger an ein Camp als vielmehr an eine Model-WG - relativ aufgetakelte "Tussen" (wir waren von Lalsot doch einen anderen Standard gewoehnt), die aufgeregt durcheinander liefen und sich grad fuer den anstehenden Besuch einer Hochzeit schick machten ... Fuer uns war das wie eine andere Welt und wir fuehlten uns einfach nur unwohl und hofften, dass die Zeit hier schnell vorbeigeht. Ging sie dann auch. Am naechsten Morgen ging es fuer uns schon zum Bahnhof von Jaipur. Was folgte, war eine gut 30 stuendige Zugfahrt, vor der mir anfangs doch ein wenig gegraut hat, da ich mich noch lebhaft an die anstrengenden 48 Stunden Zugfahrt in Australien erinnern kann! Wir hatten aber zum Glueck eine recht gute Platzkategorie (Schlafwagen mit Klimaanlage), so dass das Zugabteil sehr ordentlich und sauber war, wir ein vernuenftiges Bett zum Schlafen hatten und auch unsere Mitreisenden (hauptsaechlich Leute aus der Mittel- und Oberschicht) sehr angenehm waren. Wir hatten einen netten aelteren indischen Herren in unserem Abteil sitzen, mit dem man sich gut verstaendigen konnte und der uns immer ganz bemueht von seinen ganzen Essensrationen, die er mit an Bord gebracht hatte, leckere Sachen zum Verkosten abgegeben hat (das von seiner Nichte selbstgemachte Chutney war einfach der Hammer!). Ausserdem durfte ich einen Althippie aus Muenchen kennenlernen, der 1980 Indien erstmals bereiste und nun seit 15 Jahren regelmaessig jeden deutschen Winter hier verlebt. Er hatte zwar manchmal ein paar recht "ueberspirituelle" Ansichten, denen ich nicht so folgen konnte, es war aber recht interessant zu erfahren, wie ambivalent selbst ein so eingefleischter Indienreisender wie er dem Land gegenuebersteht. "Hassliebe" war seine Bezeichnung dafuer, dass einen das Land nicht loslaesst, selbst wenn man viele Eigenarten seiner Einwohner absolut nervig findet. Wenn ich mal niemanden zum erzaehlen hatte, hab ich einfach aus dem Fenster geschaut, was mindestens genau so interessant war: Die karge Steppenlandschaft Rajasthans wich bald Reisfeldern, gruenen Huegeln, Fluessen und Palmen. Und es wurde mit jeder Station, an der wir hielten, merklich waermer, man kann sogar sagen richtig heiss und tropisch. Mit drei Stunden Verspaetung (da rege sich mal noch einer ueber die Deutsche Bahn auf ;-) ) erreichten wir dann am Samstag Nachmittag Margao im Bundesstaat Goa. Von dort aus war es nur noch eine kurze Autofahrt zu unserem "neuen Zuhause", dem IDEX-Camp in Majorda ...