... Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. - Aurelius Augustinus -

Sonntag, 29. Mai 2011

Gruss an die Welle!

Meine letzte Reisewoche stand unter dem Motto "Sonne, Strand und Meer". Mit dem Nachtbus ging es zunaechst von Sydney in das kleine Staedtchen Coffs Harbour, das zwar recht nett ist, aber wohl eher den Namen "Kaffs Harbour" verdient haette. Ich bin dann dort auch nur einen Tag lang geblieben und habe diesen sehr angenehm mit Fahrradfahren und der Erkundung des wirklich tollen Botanischen Gartens verbracht. Mein naechster Stop war dann Byron Bay - ebenfalls ein kleines Staedtchen, das durch einen sehr entspannten Lebensstil und seine rege Surfer- und Hippieszene bekannt ist. Hier hab ich mich von Beginn an gleich wohl gefuehlt (bin mit meinen bunten Indien-Hosen gar nicht aufgefallen ;-)) und so bin ich auch etwas laenger als geplant geblieben und habe die Zeit fuer einen halbtaegigen Surfkurs genutzt! Hier in Australien hat man beim Surfen ja kein Segel, an dem man sich festhalten kann, sondern paddelt auf seinem Brett hinaus aufs Meer, wartet dann bis die Welle einen erfasst, versucht irgendwie aufzustehen und sich dann moeglichst weit Richtung Strand tragen zu lassen. Soweit jedenfalls die Theorie ... Ich bin meist nicht ueber das von der Welle erfasst werden hinausgekommen ... Aber selbst das war schon toll und hat mich in totale Freude versetzt. Da koennt ihr euch ja sicher vorstellen, wie happy ich war, als es mir dann wirklich doch mal gelang aufzustehen und wirklich auch eine ganze Zeit auf dem dahinsausenden Brett stehen zu bleiben. Der absolute Hammer!!! Leider hat das nur einmal geklappt (und es gibt noch nichtmal ein Foto davon :-(). Die meiste Zeit lag ich im Wasser, wurde vom Wasser ueberspuelt oder war damit beschaeftigt, mein Surfbrett entgegen der Stroemung wieder zum richtigen ausgangspunkt zu befoerdern. Insgesamt also eine ganz schoen stressige Angelegenheit und nach 2 Stunden im Wasser war ich einfach nur geschafft! Aber ich wuerde es jederzeit wieder machen! Von Byron Bay aus habe ich ausserdem eine Tagestour nach Nimbin unternommen. Dieses Stadtchen ist dafuer bekannt, dass man hier so ziemlich an jeder Ecke Marihuana kaufen kann - wahlweise zum Rauchen oder als unauffaellige Plaetzchen. Obwohl Hasch auch hier als illegale Droge gilt, wird wohl irgendwie darueber hinweggesehen - wahrscheinlich weil die Behoerden einfach gemerkt haben, dass sich so doch auch der Tourismus ganz gut ankurbeln laesst ... Naja, ich hab jedenfalls mal wieder null kriminelle Energie bewiesen und hab letztendlich nur Tigerbalsam gekauft, um die sich nach dem Surfen anbahnende Nasennebenhoehlenentzuendung zu bekaempfen - da merk ich dann doch wieder den Altersunterschied ;-) Insgesamt aber doch sehr lustig, dieses bunte Treiben in Nimbin mal zu sehen. Zu gerne waere ich noch laenger in Byron Bay geblieben, aber so ein bissle draengt die Zeit, denn immerhin habe ich bis nach Cairns noch um die 2000 Reisekilometer vor mir. Also bestieg ich gestern morgen abermals den Bus (bisher immer den richtigen ;-)), verliess den Bundesstaat New South Wales und enterte den Bundesstaat Queensland. Den Tag verbrachte ich in Surfers Paradise, in dem ich lustigerweise niemanden hab surfen sehen und das eigentlich nur aus ein paar Strassen und ganz viel Strand besteht, an dem sich die Hochhaeuser aneinanderreihen. Hat so'n bissle an die Touristenstraende in Mallorca erinnert und so hab ich mich dann auch am selben Abend noch zur Weiterfahrt entschlossen. Ja und nun bin ich in Queenslands Hauptstadt Brisbane angekommen, die ich mit ihrem Mix aus modernen Hochhaeusern und historischen Gebaeuden sowie den tollen Promenaden am Fluss entlang schon gleich wieder ins Herz geschlossen habe. Zwei, drei Tage werde ich mir hier sicherlich goennen eh die Reise weitergeht ...
Bis zum naechsten Mal seid alle ganz lieb gegruesst!!!

Montag, 23. Mai 2011

Unsere kleine Farm

Ich freue mich!!! Das muss ich erstmal los werden! Ich freue mich, dass die Welt doch nicht untergegangen ist, denn dann koennte ich euch gar nichts mehr berichten. Und ich freue mich, dass so viele von euch dann doch mal wieder die Tastatur an ihrem PC gefunden und mich mit Kommentaren und emails bombardiert haben! Da hat mein "Meckern" ja mal was genuetzt ;-) Nein, ich bin euch ja nicht boese, wenn ihr nicht schreibt, aber es ist einfach toll, zu lesen, was bei euch so los ist und nicht immer nur diejenige zu sein, die von ihrem Leben berichtet. Also wie gesagt, ich freu mich und danke allen fleissigen Schreibern.

So, nun zu meinen Erlebnissen der letzten zweieinhalb Wochen: Irgendwie hab ich mich veraendert ...


... bleibt eben doch nicht ohne Nebenwirkungen, wenn man jeden Tag an die acht Stunden Tomaten pflueckt - ich hoffe nur, das bildet sich in den naechsten Tagen zurueck ;-) Nein, ehrlich gesagt, habe ich in den letzten Tagen, den Wert der Arbeit wieder schaetzen gelernt - haette ja nie gedacht, dass ich das mal sage ;-). Das klingt fuer euch, die ihr euch alle nach Urlaub sehnt, vielleicht komisch, aber immer "nur" von einem Ort zum anderen zu reisen und nichts wirklich zu tun zu haben, kann auf Dauer ganz schoen anstrengend und ermuedend sein. Und da ist man dann doch froh, wenn man zwischendurch mal eine feste Bleibe hat, einer geregelten Tagesbeschaeftigung nachgeht und dafuer am Ende der Woche seinen Lohn erhaelt - ein wirklich erhebendes Gefuehl! Die Arbeit war auch sehr angenehm - von morgens um acht bis abends um fuenf  pflueckten wir rote und auch nur ansatzweise rote Tomaten (zwischendurch landete auch immer mal eine im Mund), die Straeucher hatten eine angenehme Hoehe und wir konnten den ganzen Tag Sonne und Frischluft tanken! Das allerbeste an der Arbeit war allerdings, dass man zwischendurch immer den Traktor, auf den die Tomaten geladen wurden, weiterbewegen musste. Ich kann nur sagen: Ich liebe Treckerfahren ;-) - und es gab auch keine Unfallopfer zu beklagen ... Da wir so gut in unserem Job waren und die Tomaten gar nicht so schnell nachreifen konnten wie wir sie gepflueckt haben, wurden wir zwischendurch ein paar Stunden zum Unkraut jaehten (wird das so geschreiben?) abgestellt. Das hat wohl niemand auf der Farm gerne gemacht und wir wussten auch schnell warum: Mit Harken bewaffnet, krochen wir unter Organenbaeumenn entlang und befreiten die Baeume von fiesen Schlingpflanzen. Und auch wenn ich hier immer juenger geschaetzt werde, wusste ich doch in diesem Moment, dass mein Ruecken definitiv schon 31 Jahre alt ist ;-) Aber wir haben's ueberstanden! Wir das sind uebrigens ich und ein anderes deutsches Maedel, das 3 Tage nach mir auf die Farm kam. Zusammen mit einem schon eher aelteren Englaender, der irgendwie hier "haengengeblieben" ist und dessen Nachmittagsbeschaeftigung im Besuch der oertlichen Kneipe bestand, waren wir die einzigen Arbeiter auf der Farm, die von einer italienisch-staemmigen Grossfamilie betrieben wurde. Diese familiaere Atmosphaere fand ich echt toll - zweimal lud uns die Familie zum gemeinsamen Grillabend ein, an einem Samstag ging's zum Billardspielen und auch sonst konnte man immer ein kleines Schwaetzchen halten. Unsere Behausung waehrend der zweieinhalb Wochen war uebrigens ein Campingwagen mit Aussendusche, der zwar schon mal bessere Tage gesehen hatte (Die Erstzulassung lautete auf 1979!), aber wirklich sehr gemuetlich war. Nur nachts wurde es doch recht kuehl (immerhin geht es hier straff auf den Winter zu und auch wenn tagsueber immer die Sonne schien, so lagen die Temperaturen in der Nacht doch im einstelligen Bereich!). Von den Farmersleuten mit einer Waermflasche ausgestattet, wurde es dann aber doch schnell kuschelig warm im Schlafsack.
Wie immer, wenn es einem irgendwo gefaellt, ging die Zeit mal wieder viel zu schnell rum und heute hiess es schweren Herzens schon wieder Abschied nehmen. Ich waere durchaus gern noch etwas laenger geblieben, einfach weil die Leute alle so suess und die Arbeit so angenehm war, aber ich will in den mir hier in Australien verbleibenden 5 Wochen ja noch ein bissle was vom Land sehen. In meiner Reiselust wieder gestaerkt ging es heute fuer mich gleich ins Greyhound-Buero. Der Ueberlandbus wird mein Fortbewegungsmittel fuer die naechsten Wochen sein und mich entlang der Ostkueste bis nach Cairns zum Great Barrier Reef bringen. Jetzt muesst ihr mir nur noch die Daumen druecken, dass ich nicht wieder in 'nen falschen Bus einsteige ;-)

Dienstag, 3. Mai 2011

Strand & Meer statt Wald & Berge

Gestern verliess ich dann Sydney, obwohl es hier sicherlich noch genug fuer eine weitere Woche (oder zwei oder drei ...) zu sehen gegeben haette. Aber ich wollte mal wieder raus aus der Grossstadt und in den westlich von Sydney gelegenen Blue Mountains, die ich bei meinem letzten Besuch hier nur im Regen gesehen hatte, Natur pur tanken. Ich entschied mich, den Zug zu nehmen, da das doch immer wieder eine sehr angenehme Art des Reisens ist. Man kann die Beine ausstrecken und die Zeit gut zum Lesen und Tagebuchschreiben nutzen. Nur bloed, dass man dabei manchmal seine Umgebung vergisst ... Als ich kurz vor meiner planmaessigen Ankunftszeit an einem Bahnhof dann doch mal aus dem Fenster sah, musste ich doch etwas erstaunt feststellen, dass der Name der Haltestelle gar nicht in meinem Fahrplan verzeichnet war. Ich wartete noch einen weiteren Bahnhof ab, aber auch der lag nicht auf meiner Route. Nach kurzer Ruecksprache mit meinen Mitreisenden erfuhr ich dann, dass mein Zug gar nicht in die Blue Mountains faehrt, sondern nach Newcastle, das etwa 3 Stunden noerdlich von Sydney liegt. Gut zu wissen, dachte ich so bei mir. Und da ich die Blue Mountains ja nun schon mal ansatzweise gesehen hatte und der Wetterbericht auch fuer dieses Mal nicht strahlenden Sonnenschein vorhersagte, entschied ich mich spontan fuer eine kleine Routenaenderung und so sitze ich hier nun in der Jugendherberge in Newcastle und muss sagen, es haette mich in schlimmere Orte verschlagen koennen. Die Stadt an sich macht zwar eher einen etwas verschlafenen Eindruck, aber die zahlreichen Straende hier mit meterhohen Wellen, die gegen die Klippen schlagen, sind einfach atemberaubend! Trotz leichtem Nieselregen hab ich mich heute sogar eine Runde ins Wasser getraut. Eine grossartige Erfindung sind hier naemlich die sogenannten "Ocean Baths" - direkt ans Meer grenzende Schwimmbecken, die mit Meerwasser gefuellt sind, in denen man aber vor dem Wellengang und dem ganzen Meergetier geschuetzt ist. Die 20 Grad Wassertemperatur (aus Indien war ich 27 Grad gewoehnt!) haben mich anfangs zwar etwas Ueberwindung gekostet, aber dann hab ich es doch sehr genossen.
Und wie es das Schicksal so will, bin ich dann hier im Hostel auf eine Jobanzeige gestossen, bei der sie Leute fuers Fruitpicking (fuer die Nicht-Englaender unter den Lesern "Erntehelfer" ;-)) suchen. Ist zwar jetzt kein Job zum Reichwerden, aber ein wenig Geld verdienen find ich zur Zeit allemal besser als viel Geld ausgeben ;-) Und somit begebe ich mich dann ab morgen unter die Tomaten-Pfluecker. Mal sehen, wie lange mir das Spass macht ...
Also werdet bitte nicht ungeduldig werden, wenn der naechste Blogeintrag wieder ein bisschen auf sich warten laesst (aber ausser Beate P. scheint das ja eh niemanden zu stoeren ;-)) und seid ganz lieb gegruesst von der angehenden "Farmerin" Claudia :-)

Sydney im Herbst ...

... erinnert ein wenig an Deutschland im November - jedenfalls was die Regenmassen anbelangt, ist aber ansonsten gluecklicherweise einige Grad waermer und ueberhaupt einfach toller als jede andere Stadt, die ich bislang kenne. Mit Haut und Haaren hab ich mich also die letzten anderthalb Wochen in das westliche Grossstadtleben gestuerzt, so dass ich noch nicht mal zum Blogschreiben gekommen bin. Das will ich doch nun aber schleunigst nachholen, damit Beate P. endlich mal wieder Lektuere bekommt ;-).
Ja, womit hab ich so meine Zeit verbracht? Zu allererst musste ich mich natuerlich vergewissern, dass die Oper und die Harbourbridge noch stehen - und zu meiner Erleichterung sind sie beide wirklich noch da und auch sonst hat sich nicht so viel veraendert zu meinem letzten Besuch hier. So ein bissle hat sich das dann auch angefuehlt wie "heimkommen", einfach weil mir viele Ecken schon vertraut waren. Das Heimatgefuehl wurde noch dadurch verstaerkt, dass ein ehemaliger Schulkamerad (klingt irgendwie komisch das Wort...) mit seiner Frau in Sydney lebt und wir bei gemeinsamen Essen (wie beispielsweise einem sehr leckeren Osterbrunch) und Ausfluegen alte Zeiten aufleben lassen konnten. Bei meinen zahlreichen Fussmaerschen durch die Stadt hab ich dann festgestellt, dass es natuerlich auch unendlich viele Ecken in dieser Metropole gibt, die ich bisher noch nicht gesehen habe (welch Ueberraschung ;-)). So war ich beispielsweise sehr begeistert von den Stadtteilen Glebe und Newtown mit ihren originellen Klamotten- und Antiquitaetengeschaeften und den zahlreichen Cafes. Kulinarisch geniesse es unendlich, wieder im "Westen" zu sein - es geht doch nichts ueber Sushi, Schweinshaxe im "Loewenbraeu Keller" oder einen leckeren Caramel Latte im Starbucks, auch wenn man sich hier erstmal wieder dran gewoehnen muss, dass man fuer ein Essen mehr als 2 Euro bezahlt ;-). Damit dass leckere Essen nicht zu sehr auf die Hueften schlaegt, habe ich die doch eher wenigen Sonnentage zu ausgiebigen Wanderungen entlang der zahlreichen Straende in Sydneys Umgebung genutzt. Aber auch die Kultur ist nicht zu kurz gekommen: So war ich beim Public Viewing im Regen dabei, wie Prinz William seine Kate geheiratet hat (falls man das zu Kultur zaehlen kann ;-)), habe mir eine Ausstellung der beruehmten Fotografin Annie Leibovitz (das ist die, die die schwangere Demi Moore nackig fotografiert hat) angesehen und zwei Vorfuehrungen im Opernhaus besucht - das absolute Hightlight! Zunaechst gab's "Madame Butterfly" als sehr ergreifende Ballettauffuehrung mit tollen Darstellern und fantastischen Buehnenbild und dann hatte ich das Glueck, eine Karte fuer die "Last Night of the Proms" zu bekommen. Das ist sozusagen das Saisonabschlusskonzert der Philharmonie, bei dem nach britischem Vorbild zum Schluss das ganze Publikum (einige mit britischen Hueten und Fahnen bestueckt) bekannte britische Hymnen mitsingt, klatscht, trampelt und mit Luftschlangen um sich wirft. Ich kannte das bisher nur aus dem Fernsehen und hatte eine 2-Stunden-Daeuer-Gaensehaut! Neben dem ganzen tollen Vergnuegen, gab's natuerlich auch ein wenig Alltag (nur ohne Arbeit :-)): Da man sich jeden Tag essen gehen hier wie gesagt nicht mehr so leisten kann wie in Indien, heisst es Einkaufen gehen und selbst Kochen (falls man Zwei-Minuten-Terrinen-mit-Wasser-aufgiessen Kochen nennen kann ;-)) und dann habe ich mich auch noch um eine Steuernummer und ein Bankkonto bemueht, falls ich doch mal in die Versuchung kommen sollte, hier zu arbeiten ...